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Seit einiger Zeit leben Syrer bei uns im Dorf. Einer ist Rechtsanwalt. Einer ist Physiker. Einer keine achtzehn Jahre alt. Fünfundzwanzig Polizisten kamen, um einen von ihnen abzuschieben. „Wenn so viele Polizisten anrücken, wird er schon was verbrochen haben“, sagten manche Leute. Glücklicherweise war der Gesuchte zu diesem Zeitpunkt außer Haus. Danach ist es einer kleinen Gruppe aus dem Dorf „Wir sind Asyl“ gemeinsam mit dem Pfarrer gelungen, die Syrer zu schützen. Nach Wochen voller Angst haben sie nun die weiße Karte und dürfen um Asyl ansuchen.

Dann kamen fünf Iraker – ein Bauer, ein Metzger, ein Bäcker, ein Techniker, ein LKW-Fahrer. Gemeinsam mit den Syrern wohnen sie in einem baufälligen Haus nahe der Durchzugsstraße. Sie kennen unsere Buchstaben nicht. Sie können kein Wort deutsch. Einer wollte Kakao kaufen und brachte stattdessen Grillanzünder mit. Sie können nicht verstehen, dass Granatäpfel so teuer sind und fühlen sich wie auf einem fremden Planeten. Ich besuche sie fast jeden Tag und wir kämpfen uns durch den arabisch-deutschen Sprachdschungel. Wir müssen viel lachen und sind in kurzer Zeit Freunde geworden. Ich weiß beim besten Willen nicht, wovor sich so viele Menschen fürchten. Endlich wird mein Dorf bunt. Die Welt kommt zu mir und dafür bin ich dankbar. Vielleicht würden die Gegner von Asylsuchenden anders denken, wenn sie einen Gewehrlauf im Genick spüren und aus Lebensangst fliehen müssen.

Und dann dieses elende Gejammere wegen der Smart-Phones – viele Gegner können es kaum ertragen, dass Flüchtlinge ein Smart-Phone besitzen. Meistens ist es das einzige, was sie bei der Ankunft haben. Was würdet ihr denn auf die Flucht mitnehmen?