Rezensionen Sunny Valentine

Rezension von Marion Klötzer:

„Ich brauch die Unterhose vom Prinzen!“ – dass Sunny jemals so einen Satz aussprechen würde, noch dazu in der Herrentoilette des „Backingham Päläs“, hätte sie sich nicht träumen lassen. Der Grund dafür ist ein durchgeknalltes Haus mit Eigenleben, das zwar nur 85 Cent gekostet hat, sich aber trotzdem „Seine Herrlichkeit“ nennt und unbedingt auch so ein tolle Fahne haben will wie Dornröschens Schloss aus Sunnys Märchenbuch. – Was übrigens kein Wunsch ist, sondern ein Befehl, denn solange keine königlichen Unterkleider von der Turmspitze flattern, hat das Haus Saulaune und macht seinen Bewohnern das Leben zur Hölle. So kommt es, dass Sunny beim Gang in den Keller mysteriöserweise direkt auf Prinz Williams Hochzeit landet, dort von Sicherheitsleuten gejagt wird, einen Prinzen aus dem Morgenland verarztet, sich in der Palast- Waschküche unter Laken versteckt und schließlich ein zuckersüßes Monster adoptiert – und das alles barfuss und im Nachthemd. Hört sich verrückt an? Ist es auch. Denn was Irmgard Kramer hier flankiert von vielen witzigen Illustrationen ausbaldowert hat, strotzt vor Fantasie und Tempo, wobei die Originalität dieses Abenteuers gerade in den haarsträubenden Zickzackwendungen und versponnenen Details liegt. Besonders freut Sunnys quicklebendige Erzählerstimme und der rasante Mix aus Realität und Fiktion, der bei aller Magie Bodenhaftung behält: Geht es hier doch um eine exzentrische, bettelarme Patchwork-Familie, die inmitten ihres Chaos Meister im Glücksein ist.

Fazit: Königlich amüsanter Schmökerstoff fern ab rosaroter Prinzessinnenliteratur.  
(Marion Klötzer für www.buecher-magazin.de)

 

Rezension von Elisabeth Willi:

Welch magisches Haus, in dem das Mädchen Sunny Valentine mit ihrem Bruder, Vater und dem alten Konrad lebt: Ist es gut gelaunt, lässt es Bananenmilch aus seinen Wasserhähnen fließen, hat es schlechte Laune, begräbt es Böden und Möbel unter einer dicken Staubschicht. Um ganze 85 Cent hat Sunny Valentine dieses herrliche Haus mit unzähligen Zimmern, vielen Erkern, Turmspitzen und seinen dazugehörigen Wiesen und dem See gekauft. Fesselnd und voller Phantasie beschreibt Irmgard Kramer in „Sunny Valentine“ das eigenwillige, stolze Haus und die Erlebnisse des kleinen Mädchens. Sie erschafft eine abenteuerliche und doch unschuldige Welt, die damit beginnt, dass das Haus Sunnys Bett mitsamt Bewohnern auf die knorrige Eiche im Hof befördert. Einige Seiten weiter nimmt die Autorin die Leser mit in den Buckingham Palast.

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(Elisabeth Willi für NEUE AM SONNTAG)

Sunny Valentine - Von Tropenvögeln und königlichen Unterhosen