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Ein Traum von Schloss

Von schönen und kalten Momenten
im Schloss Wolfenbüttel

Haben Sie den Film „Der ganz große Traum“ gesehen? Da geht’s um einen Lehrer, der 1874 den Fußball nach Deutschland gebracht hat. Der Film wurde im Schloss Wolfenbüttel gedreht. Das Schloss ist wirklich schön. Hier finden Literatur-Seminare statt. Ich geh’ gern dorthin. Die Kurse sind billig, das Essen und das Schlafen sind im Preis dabei und man lernt tolle Leute kennen. Einmal hatte ich die Ehre, zu einem Seminar von Burkhard Spinnen zugelassen zu werden – das ist der, der Vorsitzender Juror des Bachmann-Wettlesens war. Ich war wahnsinnig nervös. Aber Burkhard Spinnen ist lustig. Wussten Sie, dass er auch Kinderbücher schreibt? „Müller hoch drei“ und „Belgische Riesen“ habe ich sehr gern gelesen. Das Seminar von Burkhard Spinnen war im Sommer. Seminare im Sommer sind besser. Da ist es kühl im Schloss. Ganz anders im Winter. Beim Seminar „Wie bewerbe ich mich bei einer Agentur“ habe ich mich während einer Rauchpause in einem Hinterhof ausgesperrt. Keinem fiel auf, dass ich nach der Pause nicht wiederkam. Neben dem zugefrorenen Schlossgraben und dem Aschenbecher musste ich schlotternd auf einen Raucher warten (eine Seminareinheit dauert 90 Minuten). Wieder zuhause, schickte ich der Seminarleiterin (einer Agentin) eine Kindergeschichte von mir. Sie nahm mich unter Vertrag und alle Türen öffneten sich. Im Schloss Wolfenbüttel hat sich mein ganz großer Traum erfüllt.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 02/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)