Neuigkeiten

Ich fühle mich wie ein Oldtimer, dem der Benzin ausgeht. Mit den letzten Tropfen schnaufe ich ins Ziel und steige erschöpft, aber glücklich aus. Ich halte inne und erinnere mich. Wenn ihr mir bitte folgen wollt …

In der Volksschule Langenegg habe ich einen wunderschönen Schulgarten entdeckt.

Der Garten hat mich inspiriert.

Und ich habe Salat in Blumenkästen angebaut. Der wächst so enorm, dass ich mir bald wie eine Ziege vorkomme.

Auf meinen Lesereisen habe ich viel entdeckt. Zum Beispiel eine berühmte Quelle.

In Donaueschingen ist es auch sonst überaus schön.

Und solche Gebäude würde ich am liebsten schrumpfen, in die Hosentasche stecken, mitnehmen und vor mir auf den Schreibtisch stellen.

Na also. Schrumpfen. Geht doch.

Und natürlich gibt es wieder so eine für mich typische Chaotengeschichte. Kaum aus dem Schwarzwald zurück, sollte ich in Ulm lesen. Ulm? Kein Problem. Da setz ich mich morgens ins Auto, fahr eineinhalb Stunden, lese eine Runde und bin zum Mittagessen wieder heim. Dachte ich. Als ich die Adresse der Schule eingebe, zeigt mir das GPS eine Fahrtzeit von dreieinhalb Stunden an.

Hätte mir vielleicht irgendwer sagen können, dass es in der Nähe von Straßburg noch ein Ulm gibt? (1950 Einwohner, viel Obst, viele Baustellen und eine Wohlfühl-Schule) Ich also wieder zurück in den Schwarzwald. Leute, bei euch ist es echt schön und die Kinder waren super aufmerksam. Trotzdem war es eine brutale Fahrerei und ich hätte den Job nicht angenommen, wenn ich gewusst hätte, wie viele Kilometer ich fahren muss. Danach habe ich mich sperrig und zerbrechlich gefühlt. Ungefähr so:

Und davon habe ich geträumt:

Das Allerbeste habe ich in Salzburg im Literaturhaus erlebt. Die vierte Klasse der Volksschule Maxglan 2 führte das Theaterstück Sunny Valentine „Von Zirkuskanonen und elefantösen Notfällen“ auf. Ich war gerührt und beseelt. Was für ein Aufwand. Wie großartig! Vielen Dank Bettina Neumann, Katharina Peel, den Kindern der 4b und dem engagierten Peter Fuschlberger vom Literaturhaus.

In Wien im Theatermuseum wurde der Hauptpreis der Leserstimmen vergeben. Gewonnen hat ihn Rachel von Kooij. Mit dem Buch „Beim Kopf des Weißen Huhns“. Ich war stolz darauf dabei sein zu dürfen.

Wieder einmal hat mich der barocke Wahnsinn in den Bann gezogen. Von Kopf …

… bis Fuß. (Bitte! Seht ihr diesen Parkettboden? Was für Einlegearbeiten! Mein Tischlerinnentochterherz schlägt höher. An den Schuhen hätte man noch arbeiten können. Ich glaube, ich habe doch Plattfüße)

Die Blasengel links unten, studieren die Börsenkurse oder lösen sie ein Kreuzworträtsel?

Und weil ich gerade in Wien war, habe ich die allerletzte Chance zur Recherche genützt – das Lektorat für meinen neuen Jugendroman ist so gut wie abgeschlossen. Ich kann es kaum erwarten. Graffiti und Malerei werden eine große Rolle spielen. Davon aber mehr, wenn der Roman im nächsten Frühjahr erscheint.

Und nicht vergessen, Leute: Chillt eure Base!

 

 

 

 

Lest uns mehr vor!

Wie man erwachsene Leserinnen bekommt

Im Bregenzerwald hat eine Bibliothek eröffnet. Nicht, dass ihr glaubt, wir leben hier im literarischen Hinterwald. Im Gegenteil. In 71 von 93 Vorarlberger Gemeinden gibt es eine öffentliche Bibliothek. Und in einer sollten George Nussbaumer und ich, zur Anschaffung neuer Bücher, benefizmäßig musizieren und lesen. Am besten Piratengeschichten. Piraten mag jeder. In der Volksschule übten sie das Lied „Alle Kinder lernen lesen“. Der Saal wurde geschmückt, ein Keyboard, ein Lesepult und eine Leinwand auf die Bühne gestellt, damit wir die grandiosen Illustrationen von Zapf zeigen konnten. Die Lesung war am Sonntagmorgen, danach sollte es Schnitzel oder Schweinsbraten geben. Als sich die Türen öffneten, kamen Väter, Mütter, Kinder. Sie behielten ihre Jacken an und machten keine Anstalten, sich setzen zu wollen. Die VolksschülerInnen sangen ihr Lied. Und alle zogen ab: Väter, Mütter, Kinder. Sie hätten ein paar Euro zahlen müssen. Für die Bücherei im Dorf. Übrig blieben zwangsbeglückte PolitikerInnen und ein paar Freunde. Nach der Lesung kam ein älterer Herr auf mich zu. Den Tränen nahe. Es war die erste Kinderbuchlesung seines Lebens. Er habe nie ein Kinderbuch bekommen und zum ersten Mal habe ihm jemand vorgelesen. „Lest uns mehr vor“, verlangten Kinder in einer Vorlesestudie des ZEIT Verlags . Wer sich nicht um die Kinder kümmert, wird keine erwachsenen LeserInnen bekommen.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 05/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

„In Afrika ist es für die Deutschen in die Hosen gegangen“, notierte Astrid Lindgren am 8. November 1942. Als der Krieg ausbrach, begann sie, Tagebuch zu schreiben. Als am 9. November 2016 Donald Trump gewählt wurde, erwachte ich in einem Hotel in Bonn, und der Morgen graute mir. Ich war dort beim Lesefest „Käptn Book“. „Ein schwarzer Tag“, sagte ich beim Frühstück zu Hermann Schulz. 1938 in Afrika geboren, leitete er jahrelang den Peter Hammer Verlag und schreibt selbst Kinderbücher. Am Vorabend hatte er mir erzählt, wie es zum Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte“ gekommen war, wie er Illustrationen auf einer Tabakpackung sah, wissen wollte, wer sie gemacht hatte, und so Wolf Erlbruch kennenlernte. „Darf ich Ihnen noch eine Geschichte erzählen?“, fragte mich Hermann Schulz. Der Kaffee erinnerte ihn an Kaffeehäuser in Wien und an Alfred Hrdlicka, den er wegen eines Marmorblocks kennengelernt hatte. Hrdlicka hatte sein Atelier in der Nähe des Praters. Beim Spaziergang kamen ihnen, Hand in Hand, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker entgegen. Hrdlicka lud alle in ein Kaffeehaus ein. Schulz erzählte noch viel mehr. Ich war so beseelt, dass ich beschloss, Trumps Präsidentschaft ebenfalls in einem Tagebuch festzuhalten. Der erste Eintrag lautet: „Als Donald Trump gewählt wurde, frühstückte ich mit Hermann Schulz.“

(Kolumne Kramers Kinderstube 4 erschienen im Anzeiger 04/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

Da haben wir gerade noch Silvester gefeiert… Ich lade die Fotos der ersten drei Monate des Jahres 2017 von meinem Handy und erinnere mich an meine Mutter, die samstagweise Dias gerahmt und archiviert hat. Einmal jährlich saß die ganze Familie vor der Leinwand, die der Hund zuvor mehrmals umgerissen hatte. Gemeinsam erfreuten wir uns an Erinnerungen. Das hatte noch Stil. Das war ein Gemeinschaftserlebnis. Heute habe ich weder Hund, noch Leinwand, aber eine Homepage und fiktive Menschen, die sich meine Erinnerungen vielleicht mit mir teilen.

 

Im Jänner und im Februar war mein Kalender leer. Ich fuhr Ski und schrieb. Das fand ich sehr famos. Zwischendurch las ich ein paar Bücher. Leider fand ich nichts mehr, seit ich sie nach Farben sortiert hatte. Also räumte ich alles um.

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(Dieses Foto entstand in Paris in einer Ausstellung)

Kramers Kinderstube

Ich habe einmal einen Artikel über die Buchhandlung Shakespeare & Company in Paris gelesen. Da musste ich hin. Sofort. Auf der Reise eine Lektüre: Proust? Victor Hugo? Da würde ich gut dastehen. Literarisch gesehen. Doch in der Buchhandlung am Bahnhof drehte sich in einem Buchständer ein Paris-Roman. Der Titel war mir zwar peinlich, aber vom Umschlag strahlte ein wahnsinnig schöner Franzose (blaue Augen, schwarzes Haar) mit einem Namen so cremig wie die Füllung von Macarons und einer Biographie, dass es raucht: ein Studium an der Sorbonne, Wohnungen in New York und der Toskana. Ich begann zu lesen. Und wusste schon bei der nächsten Station: Das hat kein Mann geschrieben. Die Recherche ergab: Hinter meinem jungen Franzosen steckte eine 58-jährige Verlegerin aus Düsseldorf. Ich habe ja nichts gegen Pseudonyme. Mark Twain hieß auch anders, und erstaunlich viele Kinder wissen, dass unter Erin Hunter sechs Autorinnen Warrior Cats schreiben. Aber manchmal hört sich der Spaß auf. Enid Blyton hat nur sechs Bände Hanni und Nanni geschrieben. Die meisten anderen schrieb Rosemarie Eitzert als Enid Blyton. Ich könnte mich J.K. Rowling nennen, oder Poppy J. Anderson. Den meisten Menschen ist der Name einer Autorin ja völlig wurscht ist, so lange ihnen der Text gefällt, glauben sie. Bei mir jedenfalls hat die hinterhältige Marketingstrategie gegriffen. Zumindest bis zum Kauf. Bei der nächsten Station habe ich das Buch dann in den Müllkübel geworfen.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 03/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

Ein Traum von Schloss

Von schönen und kalten Momenten
im Schloss Wolfenbüttel

Haben Sie den Film „Der ganz große Traum“ gesehen? Da geht’s um einen Lehrer, der 1874 den Fußball nach Deutschland gebracht hat. Der Film wurde im Schloss Wolfenbüttel gedreht. Das Schloss ist wirklich schön. Hier finden Literatur-Seminare statt. Ich geh’ gern dorthin. Die Kurse sind billig, das Essen und das Schlafen sind im Preis dabei und man lernt tolle Leute kennen. Einmal hatte ich die Ehre, zu einem Seminar von Burkhard Spinnen zugelassen zu werden – das ist der, der Vorsitzender Juror des Bachmann-Wettlesens war. Ich war wahnsinnig nervös. Aber Burkhard Spinnen ist lustig. Wussten Sie, dass er auch Kinderbücher schreibt? „Müller hoch drei“ und „Belgische Riesen“ habe ich sehr gern gelesen. Das Seminar von Burkhard Spinnen war im Sommer. Seminare im Sommer sind besser. Da ist es kühl im Schloss. Ganz anders im Winter. Beim Seminar „Wie bewerbe ich mich bei einer Agentur“ habe ich mich während einer Rauchpause in einem Hinterhof ausgesperrt. Keinem fiel auf, dass ich nach der Pause nicht wiederkam. Neben dem zugefrorenen Schlossgraben und dem Aschenbecher musste ich schlotternd auf einen Raucher warten (eine Seminareinheit dauert 90 Minuten). Wieder zuhause, schickte ich der Seminarleiterin (einer Agentin) eine Kindergeschichte von mir. Sie nahm mich unter Vertrag und alle Türen öffneten sich. Im Schloss Wolfenbüttel hat sich mein ganz großer Traum erfüllt.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 02/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

Ich habe den schönen Auftrag bekommen, monatlich eine Kolumne zu schreiben. Sie erscheint im Anzeiger, dem Fachmagazin für die österreichische Buchbranche. Hier der erste Versuch.

Gangsta Omas

Warum auch Erwachsene nie aufhören sollten, sich für Kinderbücher zu interessieren

Ich war live dabei, als sich der Hotzenplotz die Bratwürste in den Wampen gestopft, als der Dampf den Zwicker der Großmutter beschlagen hat. Ich habe es gerochen, das Sauerkraut und den Schnupftabak. Ich habe sie gehört, die Kaffeemühle, die Unke im Pfuhl und die Dimpfelmoser-Schreie im Spritzenhaus. Mein Herz hat geschlagen, als Hotzenplotz in die Pedale trat und die Großmutter vom Gepäckträger rief: „Herr Dimpfelmoser! Wo fahren wir denn hin?“ Schon dieses Wort. Großmutter. Die pure Verheißung. Meine hieß Oma. Großmütter gab es nur in Kinderbüchern. Oder Omamas. Die saßen meistens in Apfelbäumen. Meine saß in der Küche und las. Heute heißen die Großmütter in Kinderbüchern gern Gangsta Oma. Viele Erwachsene wissen das leider nicht. Als sie nämlich aufgehört haben, Kind zu sein, haben sie auch aufgehört, sich für Kinderbücher zu interessieren. Erst wenn sie eigene Kinder kriegen, stellen sie verzückt fest: Es gibt sie immer noch, die Raupe Nimmersatt, Jim Knopf und die drei Stanisläuse. Dass sie die Gangsta Oma und den britischen Humor von David Williams nie kennenlernen werden, ist schade für David Williams, die Kunst und die Buchbranche. Aber wenn man ein Kind ist, ist einem die Kunst und die Buchbranche herzlich egal. Hauptsache man darf einen Räuber jagen, die Großmutter befreien und auf eine Kiste pinseln: „Vorsicht Gold!“

 

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Ich weiß nicht warum. Aber Schnee macht mich glücklich. Den ganzen Dezember habe ich gewartet. Und dann kam er. In großen Flocken. Weiß und wunderbar. Schneeschaufeln tu ich wirklich gern. Und Rasenmähen. Schnee schmeckt. Gras riecht. Von Schnee bekommt man kalte, von Gras grüne Füße. Und wenn es geschneit hat, dann fährt der 50 Jahre alte Einer-Sessellift neben meiner Haustür. Leider sehr, sehr langsam. Ich fotografiere die Bäume und lese ein Buch. weiterlesen

Da fängt man an Bücher zu schreiben. Die Bücher stehen plötzlich in Regalen. Dann bekommt man Anfragen für Lesungen und freut sich sehr und sagt zu allem JA. Und plötzlich fährt man kreuz und quer in der Weltgeschichte herum, packt nur noch Koffer ein und aus und merkt, dass man droht zu einem Vorlesemonster zu mutieren… Ein ereignisreicher Herbst liegt also hinter mir.

Ich las auf wunderschönen Bühnen …

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In traumhaften Sälen…

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Und in nicht so traumhaften…

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braunschweig

Ich bin zurück aus Braunschweig, habe tolle Kollegen und Kolleginnen kennengelernt und in vielen Schulen gelesen. In der Oswald Berkhan Schule durfte das Lila Monster in der großen Pause bei der Sekretärin mit den Lila Haaren sitzen, während ich eine Führung bekommen habe. Die schönsten Vorhänge gibt es Hinter der Masch – und sehr nette Kinder. In der Grundschule Diesterwegstraße kam Lorenz zu mir.

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