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Wofür Bücher noch gut sind

Jetzt ist es passiert. Zum ersten Mal habe ich Bücher von mir auf dem Flohmarkt entdeckt. Ein bisschen weh tut’s schon. Aber ich versteh’s ja. Regale werden voll, auf dem Tisch ist auch kein Platz mehr und neue Möbel zu kaufen ist ein Horror. Man setzt sich in ein Auto und fährt in ein Einrichtungshaus an den Rand einer Stadt, wo unsere Großeltern unter knorrigen Obstbäumen über saftige Wiesen tollten. Ikea. Kika. Leiner. XXX Lutz. Mömax. Möbelix. Hundertprozent buchfreie Orte des Grauens.  weiterlesen

Am 3. März präsentierte ich meinen neuen Roman in der Alten Seifenfabrik in Lauterach. Miriam Jaeneke machte die Fotos. Das Copyright liegt bei ihr.

Fassungslos stand ich da und blickte abwechselnd in mein Buch und in die verblüfften Augen derer, die PEKS beim Malen zusahen.

Traumhaft musikalisch untermalt von Klaus Kemmerling und Roland Wölfle.

Und so sah das Bild am Ende der Lesung aus.

Wenn ihr bewegte Bilder sehen und die Musik hören wollt, könnt ihr das hier:

Ich würde euch gerne einladen zur Präsentation meines neuen Buches.

Am Samstag, 3.März 2018

20.00 Uhr

Alte Seifenfabrik, Lauterach

Es liest Irmgard Kramer.

Es malt der Streetartkünstler PEKS.

Es spielen Go Ambient.

Der Eintritt ist gratis.

 Das Buch: Sie sind talentierte Streetartkünstler. Ihre Pieces findet man an Mauern, U-Bahn-Wagons und verlassenen Fabriken, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt. Jonas und Leander. Leander und Jonas. Nichts kann sie trennen. Bis sich Leander verliebt. Und Jonas über einen chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt. Ein Jugendroman über Freundschaft und Kunst, über tiefste Verzweiflung und äußerste Hingabe und eine Liebe, die alles rettet.

Der Maler: PEKS hat sich in seinem Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaft intensiv mit Graffiti, Urban Art und Street Art beschäftigt. Er malt und sprüht seit er 15 ist. Es ist ihm gelungen, seine Leidenschaft mit Projekten, Auftragsarbeiten und Workshops zu seinem Beruf zu machen. Bei der Entstehung des Buches stand er beratend zur Seite. Er wird Live malen und einige seiner Bilder ausstellen.

Die Musiker: GO AMBIENT sind Klaus Kemmerling (Saxophon) und Roland Wölfle (Elektronik). Soeben ist ihre erste CD erschienen. Sie improvisieren zur Malerei, treten in einen musikalischen Dialog und erzeugen intuitiv Klangbilder und Stimmungen. Durch spontane Interaktionen entstehen Augenblicke besonderer Verschmelzung und Synchronizität, die in die Tiefe gehen und intensive Erfahrungen darstellen. Dies alles ist nicht vorhersehbar. Live ist diese Musik neu und unmittelbar.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mit uns feiert.

Königlicher Besuch aus dem Morgenland

Es ist überstanden. Die Weihnachtskekse liegen am Kompost, die leeren Flaschen in Containern, die Christbäume auf Haufen oder (in Vorarlberg) unter Funkenhexen. Tonnen an Müll sind entsorgt. Hoffentlich, liebe Buchhändler, war ihr Umsatz gut, damit der Wahnsinn wenigstens einen Sinn hatte. Nach der Stillen Zeit, als die Ruhe endlich einkehren wollte, klingelte es noch einmal an der Haustür.  weiterlesen

Sie sind talentierte Streetartkünstler und beste Freunde seit frühester Kindheit. Ihre Pieces findet man überall in der Stadt an Mauern, U-Bahn-Wagons und verlassenen Fabrikgebäuden, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt.

Jonas und Leander. Leander und Jonas.

Nichts kann sie trennen.

Bis sich Leander in Rapunzel verliebt, das Mädchen mit den goldenen Haaren. Und Jonas über das Märchen vom chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt.

Ein Roman über Freundschaft und Kunst, über tiefste Verzweiflung und äußerste Hingabe und eine Liebe, die alles rettet.

Erscheint am 12. Februar 2018.

Hier könnt ihr euch bewerben für ein gratis Leseexemplar und eine gemeinsame Leserunde. Viel Spaß dabei.

Das Mysterium aus dem Automat

Ein Hashdag und eine Ziffernfolge auf einem kleinen, in Packpapier verschnürtem Paket. 6854 könnte eine Postleitzahl sein. Die von Hohenems zum Beispiel. In Hohenems leben Michael Köhlmeier und Monika Helfer in einem netten Häuschen und schreiben. Nur ein Dorf weiter (PLZ 6840) verfasste Robert Schneider einen Bestseller, der in 36 Sprachen übersetzt wurde. „Brother of Sleep“ landete in der Buchhandlung BooksActually in Singapur. Frisch, still und andächtig stehen sie hier, die Kafkas und Brontes, die Orwells, Rushdies und Murakamis. Eine Spezialausgabe zum 80. Geburtstag von Mary Poppins.

Vor dem Laden nebenan baumelt das Modell eines Doppeldeckers über einer türkis gestrichenen Tür. Über das Gemäuer watscheln Enten mit Hut – wohl die einzigen Graffiti in Singapur. Woods in the books. Der Kinderbuchladen. Sorgfältig ausgewählte Bücher für Expats und ihren bildungsnahen Nachwuchs.

Und als wären diese beiden Läden …

 … nicht Freude genug, …

… steht davor …

… ein Buchautomat, gefüllt mit von Hand verpackten Mystery Books, die von Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Singapur geschrieben wurden. Ich stecke meine Kreditkarte in den Automaten, wähle das Paket mit der Nummer # 6845, weil mir die Illustration eines Sushi gefällt und ziehe mir ein Buch. „For Assistance, or if a goblin comes out of the machine, please call +65 6222 9195.“ Ich werde es nie auspacken. So bleibt das Mysterium erhalten.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 11/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

Karl Valentins Buchbinder Wanninger lässt grüßen

Liebe Buchhandlung!

Kürzlich habe ich ein Kinderbuch bei Ihnen bestellt und bekam es umgehend geliefert, wofür ich mich bedanken möchte. Es ist immer schön, schöne Post zu kriegen. Gern habe ich die € 9,90 bezahlt. Einen Tag später bekam ich das gleiche Buch ein zweites Mal geliefert, worüber ich mich nicht so gefreut habe.  weiterlesen

Traditionsfachgeschäft schließt

In meiner Familie war Einkaufen ein notwendiges Übel. Eine Ausnahme gab es zu Schulanfang. Da zwängten wir uns in den Fiat Ritmo und fuhren in die Stadt. Ins Parkhaus! Die Schranke hob sich. Wir zogen die Köpfe ein. Meine Mutter klammerte sich tapfer ans Lenkrad und kurvte schneckenförmig aufwärts. „Kinder merkt’s euch das Stockwerk, sonst finden wir das Auto nie wieder.“ Ängstlich prägten wir uns die Zahl ein. Im Lift stritten wir uns, wer den Knopf drücken darf. Das Buch- und Papierfachgeschäft Lingenhöle hatte 230 Quadratmeter auf zwei Etagen. Geduldig wartete meine Mutter auf eine Verkäuferin. Dann legte sie los. Zum Schulanfang nur das Beste. Manchmal mussten wir sie bremsen. „Aber Mama, wir haben noch Lineale zuhause.“ Während sie überlegte, wie viele karierte und wie viele linierte Hefte sie kaufen sollte, schlich ich mich zum Drehständer mit den Kinderbüchern. Ich schlug die letzte Seite zum Lachen auf: „Ein Skelett kommt in die Bar. Was wünschen Sie?, fragt der Ober. Ein Bier und einen Aufwischlappen.“ Meine Mutter nickte mir lächelnd zu. Das Buch kostete 47 Schilling 10. Sooo viel! Ich hatte die beste Mutter der Welt. Im Auto begann ich zu lesen. Zuhause schrieb ich auf die erste Seite: Dieses Schneider-Buch gehört Irmi Geschenkt von Mama. Heutzutage kommt das Lachen ein wenig zu kurz. Die Buchhandlung Lingenhöle musste schließen. Die Verkaufsräume sind leer. Ich vermute, bald werden E-Bikes drinnen stehen.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 09/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

Die Einhornfalle

Einhörner sind in. Einhörner sind das ganz große Geschäft. Sitzt man mit Kinderbuchverlagsleuten in einem Taxi, geht es gern um Einhörner. Sternenschweif und Silberwind. Glamourös, glitzernd, magisch, mysteriös. Mit Schweif, Schwanz, Horn und dem ganzen Klimbim.

Ich schreibe sicher kein Buch über Einhörner. Weil mit Einhörnern gewinnt man keinen Literaturpreis. Das ist fix. Literarisch gesehen geht man mit Einhörnern für den Rest seiner Karriere baden.

Ich könnte es allerdings wie die Känguruchroniken anlegen. Ein rechts radikales Einhorn könnte sich im Schlafzimmer von Marine Le Pen einnisten, mit ihr kuscheln und sie trösten.

Ich könnte mich auch an Theo Nicole Lorenz orientieren. Sein Ausmalbuch heißt: „Einhörner sind Arschlöcher: Schockierende Wahrheiten zu Ausmalen.“ Ziemlich prächtig finde ich auch: „Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn! 100 nicht ganz legale Erziehungstricks“ von Johannes Hayers. „Meine kleine Einhorn-Farm“ (mit Regenbogengarantie) hingegen ist wirklich Schrott. Dieses Standardwerk zur erfolgreichen Aufzucht von Einhörnern verspricht Erfolg im Business und die Erfüllung magischer Träume. Also echt.

Und dann fiel mir in einem Buchladen in Gmunden ein verstaubtes Exemplar „Der taubenblaue Drache“ von Kurt Vonnegut, übersetzt von Harry Rowohlt, in die Hände. Und als ich auf Seite 120 „Die Einhornfalle“ las, wusste ich, dass man auch über Einhörner ganz große Literatur schreiben kann.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 06/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

Ich fühle mich wie ein Oldtimer, dem der Benzin ausgeht. Mit den letzten Tropfen schnaufe ich ins Ziel und steige erschöpft, aber glücklich aus. Ich halte inne und erinnere mich. Wenn ihr mir bitte folgen wollt …

In der Volksschule Langenegg habe ich einen wunderschönen Schulgarten entdeckt.

Der Garten hat mich inspiriert.

Und ich habe Salat in Blumenkästen angebaut. Der wächst so enorm, dass ich mir bald wie eine Ziege vorkomme.

Auf meinen Lesereisen habe ich viel entdeckt. Zum Beispiel eine berühmte Quelle.

In Donaueschingen ist es auch sonst überaus schön.

Und solche Gebäude würde ich am liebsten schrumpfen, in die Hosentasche stecken, mitnehmen und vor mir auf den Schreibtisch stellen.

Na also. Schrumpfen. Geht doch.

Und natürlich gibt es wieder so eine für mich typische Chaotengeschichte. Kaum aus dem Schwarzwald zurück, sollte ich in Ulm lesen. Ulm? Kein Problem. Da setz ich mich morgens ins Auto, fahr eineinhalb Stunden, lese eine Runde und bin zum Mittagessen wieder heim. Dachte ich. Als ich die Adresse der Schule eingebe, zeigt mir das GPS eine Fahrtzeit von dreieinhalb Stunden an.

Hätte mir vielleicht irgendwer sagen können, dass es in der Nähe von Straßburg noch ein Ulm gibt? (1950 Einwohner, viel Obst, viele Baustellen und eine Wohlfühl-Schule) Ich also wieder zurück in den Schwarzwald. Leute, bei euch ist es echt schön und die Kinder waren super aufmerksam. Trotzdem war es eine brutale Fahrerei und ich hätte den Job nicht angenommen, wenn ich gewusst hätte, wie viele Kilometer ich fahren muss. Danach habe ich mich sperrig und zerbrechlich gefühlt. Ungefähr so:

Und davon habe ich geträumt:

Das Allerbeste habe ich in Salzburg im Literaturhaus erlebt. Die vierte Klasse der Volksschule Maxglan 2 führte das Theaterstück Sunny Valentine „Von Zirkuskanonen und elefantösen Notfällen“ auf. Ich war gerührt und beseelt. Was für ein Aufwand. Wie großartig! Vielen Dank Bettina Neumann, Katharina Peel, den Kindern der 4b und dem engagierten Peter Fuschlberger vom Literaturhaus.

In Wien im Theatermuseum wurde der Hauptpreis der Leserstimmen vergeben. Gewonnen hat ihn Rachel von Kooij. Mit dem Buch „Beim Kopf des Weißen Huhns“. Ich war stolz darauf dabei sein zu dürfen.

Wieder einmal hat mich der barocke Wahnsinn in den Bann gezogen. Von Kopf …

… bis Fuß. (Bitte! Seht ihr diesen Parkettboden? Was für Einlegearbeiten! Mein Tischlerinnentochterherz schlägt höher. An den Schuhen hätte man noch arbeiten können. Ich glaube, ich habe doch Plattfüße)

Die Blasengel links unten, studieren die Börsenkurse oder lösen sie ein Kreuzworträtsel?

Und weil ich gerade in Wien war, habe ich die allerletzte Chance zur Recherche genützt – das Lektorat für meinen neuen Jugendroman ist so gut wie abgeschlossen. Ich kann es kaum erwarten. Graffiti und Malerei werden eine große Rolle spielen. Davon aber mehr, wenn der Roman im nächsten Frühjahr erscheint.

Und nicht vergessen, Leute: Chillt eure Base!