Neuigkeiten

Haben Sie auch Bücher, die sie jedes Jahr mindestens einmal lesen? Der Schauspieler Christopher Lee zum Beispiel las einmal jährlich Der Herr der Ringe. Er wurde 93 Jahre alt und kannte das Werk wirklich gut. Ich verknüpfe meine Lieblingsbücher mit Jahreszeiten, so kann ich mich noch mehr freuen. Im Frühling höre ich Der Wind in den Weiden, von Harry Rowohlt übersetzt und gesprochen – wenn das Maulwürfchen seinen Frühjahrsputz macht, mit seinem Freund, der Wasserratte, im Boot (mit Schnittlauchbrot, Bitzelwasser und Senftopf) über den Fluss schippert und der Kröterich mit seinem neuen Auto wieder mächtig viel Staub aufwirbelt, macht mich das glücklich.  weiterlesen

Mia kann jetzt lesen. Keiner hat genau mitgekriegt, wann das passiert ist, aber auf einmal versteht sie den Sinn hinter den Buchstaben. Sie rennt durch die Gegend und entziffert alles. Das ist lustig. Dann wollen sie in der Schule, dass Mia Geschichten liest. Das ist nicht mehr lustig. Nur anstrengend. Mia wirft das Handtuch. Beim Elternsprechtag sagt die Lehrerin: „Man muss mit Mia lesen üben.“ Die Eltern lassen sich beraten. Für Mia nur das Beste. Die kompetente Buchhändlerin empfiehlt literarisch ausgezeichnete Werke. Mag Mia nicht. Mia will Der magische Blumenladen.  weiterlesen

 

Wofür Bücher noch gut sind

Jetzt ist es passiert. Zum ersten Mal habe ich Bücher von mir auf dem Flohmarkt entdeckt. Ein bisschen weh tut’s schon. Aber ich versteh’s ja. Regale werden voll, auf dem Tisch ist auch kein Platz mehr und neue Möbel zu kaufen ist ein Horror. Man setzt sich in ein Auto und fährt in ein Einrichtungshaus an den Rand einer Stadt, wo unsere Großeltern unter knorrigen Obstbäumen über saftige Wiesen tollten. Ikea. Kika. Leiner. XXX Lutz. Mömax. Möbelix. Hundertprozent buchfreie Orte des Grauens.  weiterlesen

Am 3. März präsentierte ich meinen neuen Roman in der Alten Seifenfabrik in Lauterach. Miriam Jaeneke machte die Fotos. Das Copyright liegt bei ihr.

Fassungslos stand ich da und blickte abwechselnd in mein Buch und in die verblüfften Augen derer, die PEKS beim Malen zusahen.

Traumhaft musikalisch untermalt von Klaus Kemmerling und Roland Wölfle.

Und so sah das Bild am Ende der Lesung aus.

Wenn ihr bewegte Bilder sehen und die Musik hören wollt, könnt ihr das hier:

Ich würde euch gerne einladen zur Präsentation meines neuen Buches.

Am Samstag, 3.März 2018

20.00 Uhr

Alte Seifenfabrik, Lauterach

Es liest Irmgard Kramer.

Es malt der Streetartkünstler PEKS.

Es spielen Go Ambient.

Der Eintritt ist gratis.

 Das Buch: Sie sind talentierte Streetartkünstler. Ihre Pieces findet man an Mauern, U-Bahn-Wagons und verlassenen Fabriken, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt. Jonas und Leander. Leander und Jonas. Nichts kann sie trennen. Bis sich Leander verliebt. Und Jonas über einen chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt. Ein Jugendroman über Freundschaft und Kunst, über tiefste Verzweiflung und äußerste Hingabe und eine Liebe, die alles rettet.

Der Maler: PEKS hat sich in seinem Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaft intensiv mit Graffiti, Urban Art und Street Art beschäftigt. Er malt und sprüht seit er 15 ist. Es ist ihm gelungen, seine Leidenschaft mit Projekten, Auftragsarbeiten und Workshops zu seinem Beruf zu machen. Bei der Entstehung des Buches stand er beratend zur Seite. Er wird Live malen und einige seiner Bilder ausstellen.

Die Musiker: GO AMBIENT sind Klaus Kemmerling (Saxophon) und Roland Wölfle (Elektronik). Soeben ist ihre erste CD erschienen. Sie improvisieren zur Malerei, treten in einen musikalischen Dialog und erzeugen intuitiv Klangbilder und Stimmungen. Durch spontane Interaktionen entstehen Augenblicke besonderer Verschmelzung und Synchronizität, die in die Tiefe gehen und intensive Erfahrungen darstellen. Dies alles ist nicht vorhersehbar. Live ist diese Musik neu und unmittelbar.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mit uns feiert.

Königlicher Besuch aus dem Morgenland

Es ist überstanden. Die Weihnachtskekse liegen am Kompost, die leeren Flaschen in Containern, die Christbäume auf Haufen oder (in Vorarlberg) unter Funkenhexen. Tonnen an Müll sind entsorgt. Hoffentlich, liebe Buchhändler, war ihr Umsatz gut, damit der Wahnsinn wenigstens einen Sinn hatte. Nach der Stillen Zeit, als die Ruhe endlich einkehren wollte, klingelte es noch einmal an der Haustür.  weiterlesen

Sie sind talentierte Streetartkünstler und beste Freunde seit frühester Kindheit. Ihre Pieces findet man überall in der Stadt an Mauern, U-Bahn-Wagons und verlassenen Fabrikgebäuden, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt.

Jonas und Leander. Leander und Jonas.

Nichts kann sie trennen.

Bis sich Leander in Rapunzel verliebt, das Mädchen mit den goldenen Haaren. Und Jonas über das Märchen vom chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt.

Ein Roman über Freundschaft und Kunst, über tiefste Verzweiflung und äußerste Hingabe und eine Liebe, die alles rettet.

Erscheint am 12. Februar 2018.

Hier könnt ihr euch bewerben für ein gratis Leseexemplar und eine gemeinsame Leserunde. Viel Spaß dabei.

Das Mysterium aus dem Automat

Ein Hashdag und eine Ziffernfolge auf einem kleinen, in Packpapier verschnürtem Paket. 6854 könnte eine Postleitzahl sein. Die von Hohenems zum Beispiel. In Hohenems leben Michael Köhlmeier und Monika Helfer in einem netten Häuschen und schreiben. Nur ein Dorf weiter (PLZ 6840) verfasste Robert Schneider einen Bestseller, der in 36 Sprachen übersetzt wurde. „Brother of Sleep“ landete in der Buchhandlung BooksActually in Singapur. Frisch, still und andächtig stehen sie hier, die Kafkas und Brontes, die Orwells, Rushdies und Murakamis. Eine Spezialausgabe zum 80. Geburtstag von Mary Poppins.

Vor dem Laden nebenan baumelt das Modell eines Doppeldeckers über einer türkis gestrichenen Tür. Über das Gemäuer watscheln Enten mit Hut – wohl die einzigen Graffiti in Singapur. Woods in the books. Der Kinderbuchladen. Sorgfältig ausgewählte Bücher für Expats und ihren bildungsnahen Nachwuchs.

Und als wären diese beiden Läden …

 … nicht Freude genug, …

… steht davor …

… ein Buchautomat, gefüllt mit von Hand verpackten Mystery Books, die von Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Singapur geschrieben wurden. Ich stecke meine Kreditkarte in den Automaten, wähle das Paket mit der Nummer # 6845, weil mir die Illustration eines Sushi gefällt und ziehe mir ein Buch. „For Assistance, or if a goblin comes out of the machine, please call +65 6222 9195.“ Ich werde es nie auspacken. So bleibt das Mysterium erhalten.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 11/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

Karl Valentins Buchbinder Wanninger lässt grüßen

Liebe Buchhandlung!

Kürzlich habe ich ein Kinderbuch bei Ihnen bestellt und bekam es umgehend geliefert, wofür ich mich bedanken möchte. Es ist immer schön, schöne Post zu kriegen. Gern habe ich die € 9,90 bezahlt. Einen Tag später bekam ich das gleiche Buch ein zweites Mal geliefert, worüber ich mich nicht so gefreut habe.  weiterlesen

Traditionsfachgeschäft schließt

In meiner Familie war Einkaufen ein notwendiges Übel. Eine Ausnahme gab es zu Schulanfang. Da zwängten wir uns in den Fiat Ritmo und fuhren in die Stadt. Ins Parkhaus! Die Schranke hob sich. Wir zogen die Köpfe ein. Meine Mutter klammerte sich tapfer ans Lenkrad und kurvte schneckenförmig aufwärts. „Kinder merkt’s euch das Stockwerk, sonst finden wir das Auto nie wieder.“ Ängstlich prägten wir uns die Zahl ein. Im Lift stritten wir uns, wer den Knopf drücken darf. Das Buch- und Papierfachgeschäft Lingenhöle hatte 230 Quadratmeter auf zwei Etagen. Geduldig wartete meine Mutter auf eine Verkäuferin. Dann legte sie los. Zum Schulanfang nur das Beste. Manchmal mussten wir sie bremsen. „Aber Mama, wir haben noch Lineale zuhause.“ Während sie überlegte, wie viele karierte und wie viele linierte Hefte sie kaufen sollte, schlich ich mich zum Drehständer mit den Kinderbüchern. Ich schlug die letzte Seite zum Lachen auf: „Ein Skelett kommt in die Bar. Was wünschen Sie?, fragt der Ober. Ein Bier und einen Aufwischlappen.“ Meine Mutter nickte mir lächelnd zu. Das Buch kostete 47 Schilling 10. Sooo viel! Ich hatte die beste Mutter der Welt. Im Auto begann ich zu lesen. Zuhause schrieb ich auf die erste Seite: Dieses Schneider-Buch gehört Irmi Geschenkt von Mama. Heutzutage kommt das Lachen ein wenig zu kurz. Die Buchhandlung Lingenhöle musste schließen. Die Verkaufsräume sind leer. Ich vermute, bald werden E-Bikes drinnen stehen.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 09/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)