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Dez. 2015

Während der Weihnachtsfeiertage ist der Krieg in aller Härte weitergegangen, die Japaner lassen im Stillen Ozean die Sau raus, Hongkong ist gefallen, Manila ist gefährdet. Auf Näs haben wir wie gewöhnlich Weihnachten gefeiert, mit Essen in Massen und einem prachtvollen Weihnachtswetter, das Heiligabend mit dichtem Schneefall begann, so dass Bäume und Büsche am Ersten Weihnachtstag aussahen wie auf einer Weihnachtskarte. Das stärkste Gefühl vor Weihnachten war hier in Schweden in diesem Jahr heiße innige Dankbarkeit dafür, dass wir das Fest noch feiern können, wie wir es tun.“

Diese Zeilen schrieb Astrid Lindgren am zweiten Weihnachtstag 1941 in ihr Tagebuch, das soeben bei Ullstein erschienen ist unter dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren.“ Vielleicht gut zu wissen,, dass das immer schon so war. In jedem Jahrhundert. In jedem Jahrzehnt. In jedem Jahr. Trotzdem. Von all den Sprüchen, die mir im Advent umgehängt wurden, gefiel mir dieser am besten: „Fürchtet euch nicht“ Das hänge ich mir an die Wand. Das werde ich lesen, während ich schreibe und mich Zweifel überfallen. Es geht weiter…

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Bei Rotwein unter Kronleuchtern vor dem Kamin durfte ich aus „Noah“ lesen. Danke allen Besuchern, besonders aber Marie, Leonie, Valentina und Anna-Lena, sowie Margot Stummvoll-Winder von der Wohnwerkstatt Alte Schmiede. In so einem Ambiente wird jede Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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Er ist wieder vorbei, der Buchmesse-Irrsinn. Ich hatte viele schöne Begegnungen und Gespräche mit Lektorinnen, Illustratoren, Autorinnen, Vertriebsleuten, Bloggern, Bücherliebhabern, Bibliothekarinnen und den Bücherfressern – so sehen sie aus. Die Bücherfresser sind ein Jugendleseclub in München Haidhausen, den Katrin Rüger ins Leben gerufen hat. Verlagsleute sagen von ihr, sie sei eine der engagiertesten Buchhändlerinnen in Deutschland. Ihr Buchpalast am Johannisplatz ist Münchens Königreich für Bücher und Begegnungen. Die Bücherfresser gehören zur Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises 2015/16, ebenso wie die Lese-AG der Bergschule St. Elisabeth. Ich danke euch für euer Interesse und die schönen Fragen.

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Ich bin zurück von meiner Reise zu den Bücherpiraten. In Lübeck steht dieses wunderbare Kinderliteraturhaus. Es ist voll mit schönen Geschichten. Autorinnen und Illustratorinnen treffen sich hier, um zu arbeiten und sich auszutauschen. Kinder und Jugendliche diskutieren über Bücher, begegnen sich und schreiben. Danke, dass ich dabei sein durfte.

Aussicht auf Felsen unter Dach

Ich möchte diesen Sommer in Gläser abfüllen. Jeden Abend draußen sitzen. Wochenlang in kurzen Hosen. Und die Jacke? Keine Ahnung, wo die ist. Ich genieße es, dass mein Kalender im August leer ist. Habe soeben Sunny Valentine Band 4 fertig geschrieben, recherchiere über Piraten und freue mich über viele schöne Rezensionen im Netz. Die könnt ihr hier auf meiner Homepage finden – habe eine neue Seite eingerichtet, auf der es um Noah und Marlene geht. Genießt die heißen Tage. Ich habe das Gefühl, dass dieser Traum von einem Sommer nicht endlos sein wird …

Die Premierenlesung letzten Sonntag war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Trotz brütender Hitze fanden alle den Weg in die Villa, um mit mir das Ende eines langen Weges und damit einen neuen Anfang zu feiern. Ein Gartenfest mit Freunden. Ich danke euch.

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Schillerstraße

In der heißesten Woche am Ende des Schuljahres mit Sechzehnjährigen täglich viele Stunden schreiben?

Als ich am Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe nach Feldkirch fuhr, fand ich diese Idee plötzlich alles andere als verlockend. Jugendliche haben Besseres zu tun, als sich freiwillig die Finger an der Tastatur wund zu tippen, um sich literarisch zu ergießen. Jugendliche hängen sowieso nur im Netz, chatten sinnlos in der Gegend herum, sind mit ihren Handys verwachsen und können keinen geraden deutschen Satz formulieren. Bücher besitzen sie sowieso kein, nicht mal mehr ein Telefonbuch.

Denkste.

Ich kam in Berührung mit einer Gruppe Menschen, die die gleiche unstillbare Leidenschaft haben wie ich – nämlich sich Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben, egal, ob es im Klassenzimmer 38 Grad hat und es nicht möglich ist, ein Fenster zu öffnen, weil draußen mit einem fauchenden Flammenwerfer ein Dach repariert wird, der Rasenmäher knattert und Kinder schreien.

Einige von ihnen haben bereits mehrere Romane geschrieben. Sie entwickeln hochkomplexe Welten, erfinden interessante Figuren und leben ihre Fantasie aus. Sie schreiben über jüdische Sternenjungen, über einen Magier als Vater, über den letzten Menschen auf Erden, über ein Gespräch zwischen Gott und einem Atheisten, über Kämpfe gegen übermächtige Gegner und über eine Psychopathin, die in einer Zuckerfabrik Kinder vergräbt. Sie schreiben auf deutsch und auf englisch. Sie diskutieren über Bücher. Sie kennen ihre Literatur.

Am Donnerstag sitzen zwei Mädchen mit bleichen Gesichtern und etwas ramponiert in der ersten Bank, die Köpfe auf ihre Laptops gelegt für einen Fünf-Minutenschlaf. Sie haben die Nacht durchgemacht, Oberstufen-Halbzeit gefeiert. Ich lege ihnen ans Herz nach Hause zu gehen. Sie bleiben. Sie schreiben. Sie schreiben todmüde bei Höllenlärm und Affenhitze. Sie vergessen die Pause. Sie bleiben wie die anderen einfach da. Freiwillig. Ich brauche ihnen nicht viel zu geben, nur Raum und Zeit, sich dem zu widmen, was sie lieben – das Schreiben.

Seit einiger Zeit leben Syrer bei uns im Dorf. Einer ist Rechtsanwalt. Einer ist Physiker. Einer keine achtzehn Jahre alt. Fünfundzwanzig Polizisten kamen, um einen von ihnen abzuschieben. „Wenn so viele Polizisten anrücken, wird er schon was verbrochen haben“, sagten manche Leute. Glücklicherweise war der Gesuchte zu diesem Zeitpunkt außer Haus. Danach ist es einer kleinen Gruppe aus dem Dorf „Wir sind Asyl“ gemeinsam mit dem Pfarrer gelungen, die Syrer zu schützen. Nach Wochen voller Angst haben sie nun die weiße Karte und dürfen um Asyl ansuchen.

Dann kamen fünf Iraker – ein Bauer, ein Metzger, ein Bäcker, ein Techniker, ein LKW-Fahrer. Gemeinsam mit den Syrern wohnen sie in einem baufälligen Haus nahe der Durchzugsstraße. Sie kennen unsere Buchstaben nicht. Sie können kein Wort deutsch. Einer wollte Kakao kaufen und brachte stattdessen Grillanzünder mit. Sie können nicht verstehen, dass Granatäpfel so teuer sind und fühlen sich wie auf einem fremden Planeten. Ich besuche sie fast jeden Tag und wir kämpfen uns durch den arabisch-deutschen Sprachdschungel. Wir müssen viel lachen und sind in kurzer Zeit Freunde geworden. Ich weiß beim besten Willen nicht, wovor sich so viele Menschen fürchten. Endlich wird mein Dorf bunt. Die Welt kommt zu mir und dafür bin ich dankbar. Vielleicht würden die Gegner von Asylsuchenden anders denken, wenn sie einen Gewehrlauf im Genick spüren und aus Lebensangst fliehen müssen.

Und dann dieses elende Gejammere wegen der Smart-Phones – viele Gegner können es kaum ertragen, dass Flüchtlinge ein Smart-Phone besitzen. Meistens ist es das einzige, was sie bei der Ankunft haben. Was würdet ihr denn auf die Flucht mitnehmen?

Blaue Türe eins

Seit meinem letzten Eintrag habe ich mich ein wenig zurückgezogen. Ich habe geschrieben und mich auf die Suche nach blauen Türen gemacht. Nun ist es Zeit, wieder aufzutauchen und einzutauchen. Ereignisreiche Wochen stehen mir bevor, auf die ich mich freue. Nächste Woche die Buchmesse am Bach. Danach werde ich in Feldkirch eine Woche lang mit Schülern eines Gymnasiums schreiben. Und am fünften Juli die Premierenlesung in der Villa Maund von meinem neuen Jugendroman „Am Ende der Welt traf ich Noah“. Es haben sich schon viele Leute angemeldet und ich hoffe auf schönes Wetter, dann kann ich im Garten lesen und alle haben Platz. Sunny reibt sich auch schon die Hände, um sich ins vierte Abenteuer zu stürzen. Die Arme hat, glaube ich, noch keine Ahnung, was sich das Haus diesmal ausgedacht hat …