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Haben Sie auch Bücher, die sie jedes Jahr mindestens einmal lesen? Der Schauspieler Christopher Lee zum Beispiel las einmal jährlich Der Herr der Ringe. Er wurde 93 Jahre alt und kannte das Werk wirklich gut. Ich verknüpfe meine Lieblingsbücher mit Jahreszeiten, so kann ich mich noch mehr freuen. Im Frühling höre ich Der Wind in den Weiden, von Harry Rowohlt übersetzt und gesprochen – wenn das Maulwürfchen seinen Frühjahrsputz macht, mit seinem Freund, der Wasserratte, im Boot (mit Schnittlauchbrot, Bitzelwasser und Senftopf) über den Fluss schippert und der Kröterich mit seinem neuen Auto wieder mächtig viel Staub aufwirbelt, macht mich das glücklich. Im Sommer lese ich Wie man die Zeit anhält, im Herbst Im Schattenwald und im Winter Ein Junge namens Weihnacht (und die Folgebände). Diese Bücher hat der Brite Matt Haig geschrieben. Sie stehen in jedem Laden. Sogar in dem des Wiener Burgtheaters. Zurecht. Gut, dass Haig erst 43 ist. Ich freue mich auf jede neue Geschichte von ihm, egal ob für Kinder oder für Erwachsene: schöne Sätze, kluge Metaphern, gut gebaute, spannende Plots. Er bringt zum Lachen und zum Weinen, nur unberührt lässt er mich nie. Bei ihm selbst wurde eine klinische Depression diagnostiziert. Seine Memoiren Reasons to stay alive über seinen andauernden Kampf gegen den Suizid hielt sich 46 Wochen in der Top 10 Bestsellerliste des Königreichs. In einem Interview sagte Matt Haig: „Books became my antidepressants“.

 

Kolumne erscheint im Mai 2018 im Anzeiger (Magazin für den österreichischen Buchhandel)