Neuigkeiten

Ich liebe Podcasts. Kann den Mittwoch kaum erwarten, wenn es wieder eine neue Folge von Zeitsprung und von Servus Grüezi Hallo gibt. Jeden zweiten Mittwoch krieg ich dann noch OK, America? Ich mag Hotel Matze, Zeit Verbrechen und natürlich habe ich keine Folge von Christian Drosten ausgelassen – er hat mir durch die Zeit der Verwirrung geholfen und selbstverständlich habe ich das Gefühl, dass ich locker in Virologie promovieren könnte (drei Ausdrücke kenne ich schon). Und nun gibt es einen neuen Podcast, den Martin Hahn ins Leben gerufen hat. Er richtet sich an Menschen, die Kinder- oder Jugendbücher schreiben und veröffentlichen wollen. Viel Spaß.

 

Ich wünsche mir, dass uns der Frühling 2020 irgendwann ein mildes Lächeln ins Gesicht zaubern wird, obwohl wir damals nichts verdienten und uns gesetzlich vermummen mussten. Ich wünsche mir, dass unsere Urenkel laut lachen, wenn sie diese Bilder sehen und nicht mit Masken aufwachsen müssen.

 

Mein Friseur, den ich sehr vermisse, hat mir seinen Lieblingsort verraten. Dort fuhr ich hin, um Luft zu schnappen und meinen vier Wänden zu entkommen. Ich legte mich in die Frühlingssonne und schaute  den Wolken nach. Zehn Meter neben mir lagen zwei ältere Damen oben ohne und schliefen. Plötzlich standen sie auf, setzten sich jede einen selbstgenähten Mund-Nasenschutz auf und kletterten über Wurzeln tiefer ins Gestrüpp. Ich vermutete sexuelle Gefühle zwischen den beiden, ausgelöst durch die Wärme der Sonne und die Sehnsucht nach körperlicher Nähe. Eine der beiden setzte sich auf einen Baumstrunk, die andere stellte sich hinter sie und begann ihr die Haare zu schneiden. Sie ließ sich viel Zeit dabei, war sehr sorgfältig, musste gut darauf aufpassen, das Band des Mundschutzes nicht zu durchschneiden. Die andere hielt die Augen geschlossen und gab sich der Berührung hin, während die Schatten der Weidenblätter auf ihrem entspannten Gesicht spielten.

Unsere Generation, die wir im Frieden, gebettet auf Wirtschaftswachstum und Wohlstand, aufgewachsen sind, ist zu arrogant wahrzuhaben, dass es nun auch uns getroffen hat. Warum ich das glaube?

Auf meinem Handy landen Links von Experten. Geschickt von Freunden, die ich schätze, bewundere, liebe und brauche (mehr denn je). Gebildete, kluge, kritische Menschen sind plötzlich anfällig für Verschwörungstheorien.

Im Moment schreit ein Experte namens Ernst Wolff herum, dass die Weltgesundheitsorganisation an allem schuld sei. Er tischt uns eine Verschwörungstheorie auf, bei der mir schlecht wird. 1,5 Millionen Mal geteilt.

Bruno Kreisky hatte verdammt recht indem er sagte: „Lernt’s a bissl Geschichte!“ Die meisten Menschen haben vielleicht noch nie etwas von der Spanischen Grippe gehört. Sie wütete 1918 rund um den Globus. Es starben mehr Menschen als im Ersten und im Zweiten Weltkrieg zusammen!!! Zwischen 50 und 100 Millionen Tote!!! Innerhalb weniger Wochen wurde ein Drittel der Weltbevölkerung krank, darunter Gandhi und Kafka. Egon Schiele starb daran. Morgens krank, abends tot, heißt es in vielen Artikeln.

Damals gab es noch keine WHO. Die wurde erst 1948 gegründet. Vielleicht wären weniger gestorben, wenn es die WHO schon gegeben hätte.

Wie sollen denn, eurer Meinung nach, die Regierungen unserer Länder reagieren? Das Virus ignorieren? Wie Trump das versuchte und Bolsonaro es immer noch tut? Oder sagen: „Scheiß auf die alten Leute, die kosten eh nur Geld, es wird billiger, wenn wir sie in ihren Wohnungen verrecken lassen, muss die Öffentlichkeit ja nicht erfahren.“ Irgendwie muss sich eine Regierung entscheiden. Auch wenn sie sich entscheidet, sich nicht zu entscheiden. Aber ich glaube, dass keine Regierung ein Interesse daran hat, die Wirtschaft des eigenen Landes zu ruinieren.

Kritisch bleiben ist gut, hinterfragen auch. Aber ich merke, dass es vielen Menschen sehr schwer fällt zu akzeptieren, dass dieses Scheißvirus jetzt halt da ist. So etwas gibt es seit es Menschen gibt. Nur unsere Generation ist zu arrogant um wahrzuhaben, dass es nun uns getroffen hat.

Es ist wie es ist. Herumschreien nützt nichts. Leben wir damit. Und achten wir darauf, unsere Freiheit und unsere Demokratie, die für uns so normal sind, wieder vollständig zurückzugewinnen, wenn uns der Wahnsinn langsam wieder loslässt.

Lest mehr Bücher.

Laura Spinney: „1918. Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft

Bill Bryson: „Eine kurze Geschichte von fast allem“. Goldmann 2004.

Bill Bryson: „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“. Goldmann 2011.

Der Buchladen nebenan braucht uns! Und wir brauchen ihn. Ruft an:

Sunny Valentine bekommt die Ehre. Es gibt nun ein Theaterstück. Viel Spaß beim Umsetzen. Muss ja nicht gleich im Theater an der Josefstadt sein.

 

Mein Wunsch, das Cover bitte nicht rosarot oder himmelblau zu machen, wurde erhört.

FAQ

 

Als man mich bat, beim FAQ einen Schreibworkshop anzubieten, sagte ich, ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, wie ich den Workshop gestalten würde, sofort zu, weil ich davon überzeugt war, dass sich niemand anmelden würde. Die Leute werden zu Armin Wolf und all den anderen Promis gehen, dachte ich, kein Mensch wird sich an einem Mittwochnachmittag freiwillig mit Schreiben beschäftigen wollen.

Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber Friendship schafft es jedes Jahr, viele Menschen zu mobilisieren. Sie kommen in die hintersten Winkel, auf Berggipfel, in Zimmereien, alte Mühlen, Sägewerke, Schuppen und Werkstätten. Schlussendlich waren wir neunzehn – sieben mehr als ursprünglich geplant. Der Ort war zauberhaft. Die Menschen auch. Sie kamen von überallher, etliche hatten eine weite Reise hinter sich. Viele kamen schon zum vierten Mal. Bei ihnen steht das FAQ schon für 2020 im Kalender.

Ein Professor, der in Zürich lehrt, und sich überlegt, ein Bilderbuch zu schreiben, blickte während der Kaffee- und Kuchenpause in den goldenen Herbst und sagte ungefähr Folgendes: „In Hotels werden irgendwelche Wochen künstlich kreiert, um Löcher zu stopfen. Man erfindet indische und bayerische Wochen, wirbt mit Heilfasten, mit Yoga- und Wellnesswochen, mit All-inklusive- und Wedelwochen. Diese jungen Leute organisieren das FAQ nicht, weil sie Betten füllen oder Profit machen wollen. Sie sind hier aufgewachsen, tief mit dem Bregenzerwald verwurzelt und wollen den Ort ihrer Kindheit mit vielen außergewöhnlichen Menschen teilen. Das jedenfalls spüre ich, und das habe ich sonst noch nirgends erlebt.“

Ich bin stolz, dass ich ein Teil sein durfte – vielen DANK! 

Folgenden Text habe ich für das FAQ geschrieben, das von 2.-8. September im Bregenzerwald stattfindet und wieder ein sensationelles Programm hat. Apropos Bregenzerwald – wisst ihr eigentlich, wo ihr leben wollt? Auf dem Land? In der Stadt.

 

„Wo lebst du eigentlich?“

In meinem fünfzigsten Lebensjahr verkaufe ich meine Haushälfte im Bregenzerwald, ziehe nach Hernals, lade Freunde ein und habe gleich ein Problem: Wie bitte, kommen die Wiener zu ihrem Bier? Bisher fuhr ich mit dem Auto ins KDW und lud ein, was ging. Jetzt trage ich das Bier flaschenweise vom Billa. Ich kaufe einen Trolley, den im Wald nur Menschen benützen, die etwas zum Festhalten brauchen – Wiener schieben und ziehen ganz unglaubliche Einkaufsvehikel.

 Pflanz dich hin

So viel Dschungel in Wiens Innenhöfen. Vor meinem Fenster brüten Stare in einer hundertjährigen Esche. Unter dem Bett liegt eine Fledermaus. Ich kaufe mir eine Kuh auf einem Gemälde, vermisse das Schnaufen und das Bimmeln, setze in Neuwaldegg ein Papierschiff in den Bach, wo es zwar viel Wald, aber keine Kühe, sondern Hunde gibt. Im Wald geht man, um so schnell wie möglich so viele Kilo- und Höhenmeter zu machen wie möglich.  weiterlesen

Der Ausflug ins Burgenland war prima. Ich gründete für diesen Zweck die Neigungsgruppe „Preisverleihung mit Weinverkostung“. Die Hälfte meiner Neigungsgruppe fuhr vom Wiener Hauptbahnhof in Richtung Burgenland. Die andere Hälfte – also zwei Freundinnen und ich – fuhren von Meidling. Eigentlich kenne ich Verspätungsanzeigen nur von der Deutschen Bahn. Dort fallen Züge meistens ganz aus. Unser Meidlinger Zug käme also mit einer halben Stunde Verspätung und wir würden den Anschluss in Wulkaprodersdorf (so nenne ich meine nächste Hauptfigur) nicht schaffen. Also stiegen wir einen früheren Zug und fuhren wenige Stationen bis … äh … Moment, ich muss den Namen schnell googeln … Münchendorf. Eine Stimmung wie im Bahnhof in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Zum Glück Internet. Unser Bus käme in zwei Minuten. Nur war die Bushaltestelle einen halben Kilometer entfernt. Gut, ich meine, ich kriege ja nicht dauernd Preise. Zuletzt habe ich 1978 gewonnen. Da habe ich mir auf der Dornbirner Messe ein Rotkreuzlos für 1 Schilling gekauft und eine Langspielplatte von James Last gewonnen, die „Partyking“ hieß; ich fand sie schrecklich. Und wenn man nur alle 41 Jahre einen Preis kriegt, dann möchte man schon dabei sein. Meine Freundin sah wohl, dass ich blass wurde, todesmutig sprang sie auf die Straße und hielt einen Pritschenwagen auf. Der Fahrer verstand sofort, dass es um etwas Großes ging. Meine Freundin sprang auf die Ladefläche. Ich im Preisverleihungshemd quetschte mich mit der anderen Freundin auf den Beifahrersitz. Dort saß nur leider ein riesiger Hund. Ich nahm ihn auf den Schoß, der schlabberte mir die Schminke vom Gesicht, während der Pritschenwagenfahrer durch Münchendorf raste und vor dem herannahenden Bus eine Vollbremsung hinlegte. Der Bus wollte an uns vorbeifahren. Da erkannte meine Freundin wieder den Ernst der Lage, sprang noch einmal auf die Straße und hielt ihn auf. Der Busfahrer war nicht besonders freundlich. Aber, ganz ehrlich, das war uns inzwischen egal. Unterdessen wurde auch der zweite Teil meiner Neigungsgruppe nervös. Denn der Zug vom Hauptbahnhof wurde geteilt – ein Teil fuhr nach Neusiedl, einer nach Eisenstadt. Von Bregenz bis Wien steht dir Chris Lohner zur Seite. Und plötzlich nichts mehr. Keine Ansage. Keine Anzeige. Kein Hinweis. Kein Schaffner. Da waren sie 700 Kilometer durch das ganze Land gefahren und steckten in Neusiedl. Liebe Politiker (wer immer das in Zukunft sein wird) aus dem Burgenland, aus Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark – könnt ihr euch bitte ein einziges Mal ein Vorbild an Vorarlberg nehmen? Dort fahren bis Sibratsgfäll und Schoppernau, bis Dalaas und Gargellen mindestens jede Stunde ein Bus. Die Busse sind perfekt untereinander vernetzt und an das Zugnetz angebunden. Ehrlich. Der öffentliche Verkehr in den östlichen Bundesländern ist fast so miserabel wie die deutsche Bahn. Schlussendlich haben wir’s dann doch geschafft, aber nur weil wir zwei Stunden früher als nötig losgefahren sind. Es war mir eine große Ehre mit wunderbaren Autorinnen und Autoren und Illustratoren auf der Bühne zu stehen. Albert Wendts „Adrian und Lavendel“ gehört zu meinen Lieblingshörspielen. Das Bilderbuch von Jens Rassmus „Das Nachttier“ hat mich ebenso tief berührt und wie die Graphic Novelv Peter Phobia „My Father never cut his hair“. Noch mehr berührt haben mich meine Freunde, die für mich da sind, wenn es wichtig ist. DANKE!

Ich war in Schrems im Waldviertel. Vormittags habe ich an Schulen und in Bibliotheken gelesen. Nachmittags ging ich spazieren. Ich entdeckte Baumhäuer, Elche und eine Himmelsleiter, mitten im Wald. In Schrems steht die „Waldviertler Schuhwerkstatt“. Ohne es zu wollen, begegnete ich während des Mittagessens Heini Staudinger. Selten erlebt man Menschen, die so offen auf einen zugehen. Ich schaute mir die GEA-Akademie an, war hin und weg von der Stimmung dort und wusste nur eines: Hier will ich wieder her. Am Nachhauseweg überlegte ich mir, ein Seminar anzubieten. Es hat geklappt. Ich freue mich sehr, dass ich von 8.-10. Juli wieder ins Waldviertel komme. Auf Glaspantoffeln und Siebenmeilenstiefeln…