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Mein Friseur, den ich sehr vermisse, hat mir seinen Lieblingsort verraten. Dort fuhr ich hin, um Luft zu schnappen und meinen vier Wänden zu entkommen. Ich legte mich in die Frühlingssonne und schaute  den Wolken nach. Zehn Meter neben mir lagen zwei ältere Damen oben ohne und schliefen. Plötzlich standen sie auf, setzten sich jede einen selbstgenähten Mund-Nasenschutz auf und kletterten über Wurzeln tiefer ins Gestrüpp. Ich vermutete sexuelle Gefühle zwischen den beiden, ausgelöst durch die Wärme der Sonne und die Sehnsucht nach körperlicher Nähe. Eine der beiden setzte sich auf einen Baumstrunk, die andere stellte sich hinter sie und begann ihr die Haare zu schneiden. Sie ließ sich viel Zeit dabei, war sehr sorgfältig, musste gut darauf aufpassen, das Band des Mundschutzes nicht zu durchschneiden. Die andere hielt die Augen geschlossen und gab sich der Berührung hin, während die Schatten der Weidenblätter auf ihrem entspannten Gesicht spielten.

Unsere Generation, die wir im Frieden, gebettet auf Wirtschaftswachstum und Wohlstand, aufgewachsen sind, ist zu arrogant wahrzuhaben, dass es nun auch uns getroffen hat. Warum ich das glaube?

Auf meinem Handy landen Links von Experten. Geschickt von Freunden, die ich schätze, bewundere, liebe und brauche (mehr denn je). Gebildete, kluge, kritische Menschen sind plötzlich anfällig für Verschwörungstheorien.

Im Moment schreit ein Experte namens Ernst Wolff herum, dass die Weltgesundheitsorganisation an allem schuld sei. Er tischt uns eine Verschwörungstheorie auf, bei der mir schlecht wird. 1,5 Millionen Mal geteilt.

Bruno Kreisky hatte verdammt recht indem er sagte: „Lernt’s a bissl Geschichte!“ Die meisten Menschen haben vielleicht noch nie etwas von der Spanischen Grippe gehört. Sie wütete 1918 rund um den Globus. Es starben mehr Menschen als im Ersten und im Zweiten Weltkrieg zusammen!!! Zwischen 50 und 100 Millionen Tote!!! Innerhalb weniger Wochen wurde ein Drittel der Weltbevölkerung krank, darunter Gandhi und Kafka. Egon Schiele starb daran. Morgens krank, abends tot, heißt es in vielen Artikeln.

Damals gab es noch keine WHO. Die wurde erst 1948 gegründet. Vielleicht wären weniger gestorben, wenn es die WHO schon gegeben hätte.

Wie sollen denn, eurer Meinung nach, die Regierungen unserer Länder reagieren? Das Virus ignorieren? Wie Trump das versuchte und Bolsonaro es immer noch tut? Oder sagen: „Scheiß auf die alten Leute, die kosten eh nur Geld, es wird billiger, wenn wir sie in ihren Wohnungen verrecken lassen, muss die Öffentlichkeit ja nicht erfahren.“ Irgendwie muss sich eine Regierung entscheiden. Auch wenn sie sich entscheidet, sich nicht zu entscheiden. Aber ich glaube, dass keine Regierung ein Interesse daran hat, die Wirtschaft des eigenen Landes zu ruinieren.

Kritisch bleiben ist gut, hinterfragen auch. Aber ich merke, dass es vielen Menschen sehr schwer fällt zu akzeptieren, dass dieses Scheißvirus jetzt halt da ist. So etwas gibt es seit es Menschen gibt. Nur unsere Generation ist zu arrogant um wahrzuhaben, dass es nun uns getroffen hat.

Es ist wie es ist. Herumschreien nützt nichts. Leben wir damit. Und achten wir darauf, unsere Freiheit und unsere Demokratie, die für uns so normal sind, wieder vollständig zurückzugewinnen, wenn uns der Wahnsinn langsam wieder loslässt.

Lest mehr Bücher.

Laura Spinney: „1918. Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft

Bill Bryson: „Eine kurze Geschichte von fast allem“. Goldmann 2004.

Bill Bryson: „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“. Goldmann 2011.

Der Buchladen nebenan braucht uns! Und wir brauchen ihn. Ruft an:

Sunny Valentine bekommt die Ehre. Es gibt nun ein Theaterstück. Viel Spaß beim Umsetzen. Muss ja nicht gleich im Theater an der Josefstadt sein.

 

Mein Wunsch, das Cover bitte nicht rosarot oder himmelblau zu machen, wurde erhört.

FAQ

 

Als man mich bat, beim FAQ einen Schreibworkshop anzubieten, sagte ich, ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, wie ich den Workshop gestalten würde, sofort zu, weil ich davon überzeugt war, dass sich niemand anmelden würde. Die Leute werden zu Armin Wolf und all den anderen Promis gehen, dachte ich, kein Mensch wird sich an einem Mittwochnachmittag freiwillig mit Schreiben beschäftigen wollen.

Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber Friendship schafft es jedes Jahr, viele Menschen zu mobilisieren. Sie kommen in die hintersten Winkel, auf Berggipfel, in Zimmereien, alte Mühlen, Sägewerke, Schuppen und Werkstätten. Schlussendlich waren wir neunzehn – sieben mehr als ursprünglich geplant. Der Ort war zauberhaft. Die Menschen auch. Sie kamen von überallher, etliche hatten eine weite Reise hinter sich. Viele kamen schon zum vierten Mal. Bei ihnen steht das FAQ schon für 2020 im Kalender.

Ein Professor, der in Zürich lehrt, und sich überlegt, ein Bilderbuch zu schreiben, blickte während der Kaffee- und Kuchenpause in den goldenen Herbst und sagte ungefähr Folgendes: „In Hotels werden irgendwelche Wochen künstlich kreiert, um Löcher zu stopfen. Man erfindet indische und bayerische Wochen, wirbt mit Heilfasten, mit Yoga- und Wellnesswochen, mit All-inklusive- und Wedelwochen. Diese jungen Leute organisieren das FAQ nicht, weil sie Betten füllen oder Profit machen wollen. Sie sind hier aufgewachsen, tief mit dem Bregenzerwald verwurzelt und wollen den Ort ihrer Kindheit mit vielen außergewöhnlichen Menschen teilen. Das jedenfalls spüre ich, und das habe ich sonst noch nirgends erlebt.“

Ich bin stolz, dass ich ein Teil sein durfte – vielen DANK! 

Folgenden Text habe ich für das FAQ geschrieben, das von 2.-8. September im Bregenzerwald stattfindet und wieder ein sensationelles Programm hat. Apropos Bregenzerwald – wisst ihr eigentlich, wo ihr leben wollt? Auf dem Land? In der Stadt.

 

„Wo lebst du eigentlich?“

In meinem fünfzigsten Lebensjahr verkaufe ich meine Haushälfte im Bregenzerwald, ziehe nach Hernals, lade Freunde ein und habe gleich ein Problem: Wie bitte, kommen die Wiener zu ihrem Bier? Bisher fuhr ich mit dem Auto ins KDW und lud ein, was ging. Jetzt trage ich das Bier flaschenweise vom Billa. Ich kaufe einen Trolley, den im Wald nur Menschen benützen, die etwas zum Festhalten brauchen – Wiener schieben und ziehen ganz unglaubliche Einkaufsvehikel.

 Pflanz dich hin

So viel Dschungel in Wiens Innenhöfen. Vor meinem Fenster brüten Stare in einer hundertjährigen Esche. Unter dem Bett liegt eine Fledermaus. Ich kaufe mir eine Kuh auf einem Gemälde, vermisse das Schnaufen und das Bimmeln, setze in Neuwaldegg ein Papierschiff in den Bach, wo es zwar viel Wald, aber keine Kühe, sondern Hunde gibt. Im Wald geht man, um so schnell wie möglich so viele Kilo- und Höhenmeter zu machen wie möglich.  weiterlesen

Der Ausflug ins Burgenland war prima. Ich gründete für diesen Zweck die Neigungsgruppe „Preisverleihung mit Weinverkostung“. Die Hälfte meiner Neigungsgruppe fuhr vom Wiener Hauptbahnhof in Richtung Burgenland. Die andere Hälfte – also zwei Freundinnen und ich – fuhren von Meidling. Eigentlich kenne ich Verspätungsanzeigen nur von der Deutschen Bahn. Dort fallen Züge meistens ganz aus. Unser Meidlinger Zug käme also mit einer halben Stunde Verspätung und wir würden den Anschluss in Wulkaprodersdorf (so nenne ich meine nächste Hauptfigur) nicht schaffen. Also stiegen wir einen früheren Zug und fuhren wenige Stationen bis … äh … Moment, ich muss den Namen schnell googeln … Münchendorf. Eine Stimmung wie im Bahnhof in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Zum Glück Internet. Unser Bus käme in zwei Minuten. Nur war die Bushaltestelle einen halben Kilometer entfernt. Gut, ich meine, ich kriege ja nicht dauernd Preise. Zuletzt habe ich 1978 gewonnen. Da habe ich mir auf der Dornbirner Messe ein Rotkreuzlos für 1 Schilling gekauft und eine Langspielplatte von James Last gewonnen, die „Partyking“ hieß; ich fand sie schrecklich. Und wenn man nur alle 41 Jahre einen Preis kriegt, dann möchte man schon dabei sein. Meine Freundin sah wohl, dass ich blass wurde, todesmutig sprang sie auf die Straße und hielt einen Pritschenwagen auf. Der Fahrer verstand sofort, dass es um etwas Großes ging. Meine Freundin sprang auf die Ladefläche. Ich im Preisverleihungshemd quetschte mich mit der anderen Freundin auf den Beifahrersitz. Dort saß nur leider ein riesiger Hund. Ich nahm ihn auf den Schoß, der schlabberte mir die Schminke vom Gesicht, während der Pritschenwagenfahrer durch Münchendorf raste und vor dem herannahenden Bus eine Vollbremsung hinlegte. Der Bus wollte an uns vorbeifahren. Da erkannte meine Freundin wieder den Ernst der Lage, sprang noch einmal auf die Straße und hielt ihn auf. Der Busfahrer war nicht besonders freundlich. Aber, ganz ehrlich, das war uns inzwischen egal. Unterdessen wurde auch der zweite Teil meiner Neigungsgruppe nervös. Denn der Zug vom Hauptbahnhof wurde geteilt – ein Teil fuhr nach Neusiedl, einer nach Eisenstadt. Von Bregenz bis Wien steht dir Chris Lohner zur Seite. Und plötzlich nichts mehr. Keine Ansage. Keine Anzeige. Kein Hinweis. Kein Schaffner. Da waren sie 700 Kilometer durch das ganze Land gefahren und steckten in Neusiedl. Liebe Politiker (wer immer das in Zukunft sein wird) aus dem Burgenland, aus Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark – könnt ihr euch bitte ein einziges Mal ein Vorbild an Vorarlberg nehmen? Dort fahren bis Sibratsgfäll und Schoppernau, bis Dalaas und Gargellen mindestens jede Stunde ein Bus. Die Busse sind perfekt untereinander vernetzt und an das Zugnetz angebunden. Ehrlich. Der öffentliche Verkehr in den östlichen Bundesländern ist fast so miserabel wie die deutsche Bahn. Schlussendlich haben wir’s dann doch geschafft, aber nur weil wir zwei Stunden früher als nötig losgefahren sind. Es war mir eine große Ehre mit wunderbaren Autorinnen und Autoren und Illustratoren auf der Bühne zu stehen. Albert Wendts „Adrian und Lavendel“ gehört zu meinen Lieblingshörspielen. Das Bilderbuch von Jens Rassmus „Das Nachttier“ hat mich ebenso tief berührt und wie die Graphic Novelv Peter Phobia „My Father never cut his hair“. Noch mehr berührt haben mich meine Freunde, die für mich da sind, wenn es wichtig ist. DANKE!

Ich war in Schrems im Waldviertel. Vormittags habe ich an Schulen und in Bibliotheken gelesen. Nachmittags ging ich spazieren. Ich entdeckte Baumhäuer, Elche und eine Himmelsleiter, mitten im Wald. In Schrems steht die „Waldviertler Schuhwerkstatt“. Ohne es zu wollen, begegnete ich während des Mittagessens Heini Staudinger. Selten erlebt man Menschen, die so offen auf einen zugehen. Ich schaute mir die GEA-Akademie an, war hin und weg von der Stimmung dort und wusste nur eines: Hier will ich wieder her. Am Nachhauseweg überlegte ich mir, ein Seminar anzubieten. Es hat geklappt. Ich freue mich sehr, dass ich von 8.-10. Juli wieder ins Waldviertel komme. Auf Glaspantoffeln und Siebenmeilenstiefeln…

 

 

 

 

 

 

 

So bauen Architekten Schulhöfe.

Zum Speiben

Eigentlich wollte ich über Vanillekipferl, Bratäpfel, knisterndes Feuer und Matt Haigs herzerwärmende Weihnachtsbücher schreiben, als ich während einer Lesereise durch die Schweiz in eine neue Schule namens Vinci kam, deren Architektur mich sprachlos machte: Leonardos Treppe nennt sich eine gigantische Doppelhelix aus Beton, die sich in der eisigen Eingangshalle über vier Stockwerke in die Höhe schraubt. Eine Lehrerin erzählt, dass es den Architekten vor allem um diese Treppe ging, von den Klassenzimmern sprach man eher wenig, dafür kommen jetzt viele Fotografen. Im Schatten des Betons wirken die Kinder klein, der Lärm groß und der Gestank chemisch. Sie nehmen im Mona Lisa Saal Platz. Alles top ausgestattet und total digital, nur der Schleim nicht, der in einem blauen Eimer schwimmt, den ein bleicher Erstklässler auf seinem Schoß umklammert. „Dem ist schlecht“, sagt die Lehrerin. Der Kleine speibt dann, während ich lese, relativ lautlos vor sich hin, keinen scheint’s zu stören. Danach verabschieden sich alle sechzig, auch das kranke Kind, wie es sich in der Schweiz gehört, mit Handschlag. Sobald sie weg sind, drehe ich den Hahn auf. Da kommt nur eiskaltes Wasser, also suche ich, um mir die Hände zu waschen, warmes Wasser. Das finde ich weder in den Klassenzimmern, noch auf den Toiletten. „Warmes Wasser war zu teuer“, sagt die Lehrerin. Wär‘ ja auch zuviel verlangt, schließlich hat der Bau samt Digitalisierung schon 21 Millionen Franken verschlungen.

 

Auf Friedhöfen gehe ich gern spazieren. Gelbe Blätter rascheln unter den Füßen. Nebel wabert. Schöne Namen auf Grabsteinen schreibe ich auf und lasse sie in Geschichten weiterleben. Am Babyfriedhof ruhen Knabe Petrov, Sonja, Abderrahman, Lars und Alena. Von Regen und Wind durchnässte und zerzauste Kuscheltiere halten mit hängenden Ohren wacker die Stellung an den kleinen Gräbern der Totgeborenen. Die Windräder drehen sich weiter.  weiterlesen

Seid ihr des Teufels?

Lena will Buchhändlerin werden. Aussicht auf Ruhm, Ehre und Karriere hat sie nicht. Aber was soll’s? Lena mag Bücher. Und Menschen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie nach der Ausbildung sofort in einer Buchhandelskette angestellt wird. Und dann muss Lena keine Bücher, sondern Skateboards, Sandspielzeug, kreatives Bastelmaterial, Kopfweh verursachende Stinkkerzen und Küchenmixer auspacken und anordnen. Bitte, welcher Marketingstratege ist auf die hirnrissige Idee mit den Non-Books gekommen? Ein Fleischer verkauft doch auch kein Non-Fleisch. Dann wäre er nämlich ein Blumenladen oder ein Schuhgeschäft.  weiterlesen

Neuerdings sammle ich Fotos von Menschen, die öffentlich in ein Buch lesen. Ein Foto habe ich schon. Darauf sieht man einen Jugendlichen in der U-Bahn: Goldkette, Sneakers, T-Shirt mit lautem Aufdruck, Red Bull Dose in der Jackentasche. Nicht gerade der klassische Leser, denke ich. Er ist völlig vertieft in ein dickes, schwarzes Taschenbuch, das aussieht, als habe er es aus dem Müll. Er bemerkt weder, dass ich ihn fotografiere, noch die ein- und ausseigenden Menschen. Er bemerkt nicht das Fahrrad, den Zwillings-Kinderwagen, die Amerikanerinnen, die telefonierenden Araber, die streitenden Jugendlichen. Das Buch absorbiert ihn. Er hat grad Abenteuer. Aber was für eins? Ich platze vor Neugier. Meinen Freunden schicke ich eine Nachricht, dass ich mich verspäten werde, weil ich den Ausstieg verpassen muss, weil ich mich notfalls diesem Leser zu Füßen auf den Boden werfen muss, um den Titel erkennen zu können. Dann wird es eng. Menschen drängen an ihm vorbei. Für einen Augenblick, nur um sie vorbeizulassen, schließt er das Buch, einen Zeigefinger zwischen die Buchseiten geklemmt, um sofort weiterlesen zu können und ich erhasche einen Blick: Die Stadt der Besonderen Kinder. Erleichtert steige ich aus. Die Insel der Besonderen Kinder fand ich schon ganz wunderbar. Es gibt also eine Fortsetzung. Ich gehe in den nächsten Laden, kaufe mir das Buch und sage meinen Termin ab.

Kolumne erscheint im September 2018 im Anzeiger (Magazin für den österreichischen Buchhandel)

 

 

 

Haben Sie auch Bücher, die sie jedes Jahr mindestens einmal lesen? Der Schauspieler Christopher Lee zum Beispiel las einmal jährlich Der Herr der Ringe. Er wurde 93 Jahre alt und kannte das Werk wirklich gut. Ich verknüpfe meine Lieblingsbücher mit Jahreszeiten, so kann ich mich noch mehr freuen. Im Frühling höre ich Der Wind in den Weiden, von Harry Rowohlt übersetzt und gesprochen – wenn das Maulwürfchen seinen Frühjahrsputz macht, mit seinem Freund, der Wasserratte, im Boot (mit Schnittlauchbrot, Bitzelwasser und Senftopf) über den Fluss schippert und der Kröterich mit seinem neuen Auto wieder mächtig viel Staub aufwirbelt, macht mich das glücklich.  weiterlesen

Mia kann jetzt lesen. Keiner hat genau mitgekriegt, wann das passiert ist, aber auf einmal versteht sie den Sinn hinter den Buchstaben. Sie rennt durch die Gegend und entziffert alles. Das ist lustig. Dann wollen sie in der Schule, dass Mia Geschichten liest. Das ist nicht mehr lustig. Nur anstrengend. Mia wirft das Handtuch. Beim Elternsprechtag sagt die Lehrerin: „Man muss mit Mia lesen üben.“ Die Eltern lassen sich beraten. Für Mia nur das Beste. Die kompetente Buchhändlerin empfiehlt literarisch ausgezeichnete Werke. Mag Mia nicht. Mia will Der magische Blumenladen.  weiterlesen

 

Wofür Bücher noch gut sind

Jetzt ist es passiert. Zum ersten Mal habe ich Bücher von mir auf dem Flohmarkt entdeckt. Ein bisschen weh tut’s schon. Aber ich versteh’s ja. Regale werden voll, auf dem Tisch ist auch kein Platz mehr und neue Möbel zu kaufen ist ein Horror. Man setzt sich in ein Auto und fährt in ein Einrichtungshaus an den Rand einer Stadt, wo unsere Großeltern unter knorrigen Obstbäumen über saftige Wiesen tollten. Ikea. Kika. Leiner. XXX Lutz. Mömax. Möbelix. Hundertprozent buchfreie Orte des Grauens.  weiterlesen

Am 3. März präsentierte ich meinen neuen Roman in der Alten Seifenfabrik in Lauterach. Miriam Jaeneke machte die Fotos. Das Copyright liegt bei ihr.

Fassungslos stand ich da und blickte abwechselnd in mein Buch und in die verblüfften Augen derer, die PEKS beim Malen zusahen.

Traumhaft musikalisch untermalt von Klaus Kemmerling und Roland Wölfle.

Und so sah das Bild am Ende der Lesung aus.

Wenn ihr bewegte Bilder sehen und die Musik hören wollt, könnt ihr das hier:

Ich würde euch gerne einladen zur Präsentation meines neuen Buches.

Am Samstag, 3.März 2018

20.00 Uhr

Alte Seifenfabrik, Lauterach

Es liest Irmgard Kramer.

Es malt der Streetartkünstler PEKS.

Es spielen Go Ambient.

Der Eintritt ist gratis.

 Das Buch: Sie sind talentierte Streetartkünstler. Ihre Pieces findet man an Mauern, U-Bahn-Wagons und verlassenen Fabriken, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt. Jonas und Leander. Leander und Jonas. Nichts kann sie trennen. Bis sich Leander verliebt. Und Jonas über einen chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt. Ein Jugendroman über Freundschaft und Kunst, über tiefste Verzweiflung und äußerste Hingabe und eine Liebe, die alles rettet.

Der Maler: PEKS hat sich in seinem Studium der Theater-, Film und Medienwissenschaft intensiv mit Graffiti, Urban Art und Street Art beschäftigt. Er malt und sprüht seit er 15 ist. Es ist ihm gelungen, seine Leidenschaft mit Projekten, Auftragsarbeiten und Workshops zu seinem Beruf zu machen. Bei der Entstehung des Buches stand er beratend zur Seite. Er wird Live malen und einige seiner Bilder ausstellen.

Die Musiker: GO AMBIENT sind Klaus Kemmerling (Saxophon) und Roland Wölfle (Elektronik). Soeben ist ihre erste CD erschienen. Sie improvisieren zur Malerei, treten in einen musikalischen Dialog und erzeugen intuitiv Klangbilder und Stimmungen. Durch spontane Interaktionen entstehen Augenblicke besonderer Verschmelzung und Synchronizität, die in die Tiefe gehen und intensive Erfahrungen darstellen. Dies alles ist nicht vorhersehbar. Live ist diese Musik neu und unmittelbar.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mit uns feiert.

Königlicher Besuch aus dem Morgenland

Es ist überstanden. Die Weihnachtskekse liegen am Kompost, die leeren Flaschen in Containern, die Christbäume auf Haufen oder (in Vorarlberg) unter Funkenhexen. Tonnen an Müll sind entsorgt. Hoffentlich, liebe Buchhändler, war ihr Umsatz gut, damit der Wahnsinn wenigstens einen Sinn hatte. Nach der Stillen Zeit, als die Ruhe endlich einkehren wollte, klingelte es noch einmal an der Haustür.  weiterlesen

Sie sind talentierte Streetartkünstler und beste Freunde seit frühester Kindheit. Ihre Pieces findet man überall in der Stadt an Mauern, U-Bahn-Wagons und verlassenen Fabrikgebäuden, aber niemand weiß, wer sich hinter dem geheimnisvollen Tag BLUX verbirgt.

Jonas und Leander. Leander und Jonas.

Nichts kann sie trennen.

Bis sich Leander in Rapunzel verliebt, das Mädchen mit den goldenen Haaren. Und Jonas über das Märchen vom chinesischen Pinsel stolpert und sich in eine Katastrophe malt.

Ein Roman über Freundschaft und Kunst, über tiefste Verzweiflung und äußerste Hingabe und eine Liebe, die alles rettet.

Erscheint am 12. Februar 2018.

Hier könnt ihr euch bewerben für ein gratis Leseexemplar und eine gemeinsame Leserunde. Viel Spaß dabei.

Das Mysterium aus dem Automat

Ein Hashdag und eine Ziffernfolge auf einem kleinen, in Packpapier verschnürtem Paket. 6854 könnte eine Postleitzahl sein. Die von Hohenems zum Beispiel. In Hohenems leben Michael Köhlmeier und Monika Helfer in einem netten Häuschen und schreiben. Nur ein Dorf weiter (PLZ 6840) verfasste Robert Schneider einen Bestseller, der in 36 Sprachen übersetzt wurde. „Brother of Sleep“ landete in der Buchhandlung BooksActually in Singapur. Frisch, still und andächtig stehen sie hier, die Kafkas und Brontes, die Orwells, Rushdies und Murakamis. Eine Spezialausgabe zum 80. Geburtstag von Mary Poppins.

Vor dem Laden nebenan baumelt das Modell eines Doppeldeckers über einer türkis gestrichenen Tür. Über das Gemäuer watscheln Enten mit Hut – wohl die einzigen Graffiti in Singapur. Woods in the books. Der Kinderbuchladen. Sorgfältig ausgewählte Bücher für Expats und ihren bildungsnahen Nachwuchs.

Und als wären diese beiden Läden …

 … nicht Freude genug, …

… steht davor …

… ein Buchautomat, gefüllt mit von Hand verpackten Mystery Books, die von Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Singapur geschrieben wurden. Ich stecke meine Kreditkarte in den Automaten, wähle das Paket mit der Nummer # 6845, weil mir die Illustration eines Sushi gefällt und ziehe mir ein Buch. „For Assistance, or if a goblin comes out of the machine, please call +65 6222 9195.“ Ich werde es nie auspacken. So bleibt das Mysterium erhalten.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 11/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

Karl Valentins Buchbinder Wanninger lässt grüßen

Liebe Buchhandlung!

Kürzlich habe ich ein Kinderbuch bei Ihnen bestellt und bekam es umgehend geliefert, wofür ich mich bedanken möchte. Es ist immer schön, schöne Post zu kriegen. Gern habe ich die € 9,90 bezahlt. Einen Tag später bekam ich das gleiche Buch ein zweites Mal geliefert, worüber ich mich nicht so gefreut habe.  weiterlesen

Traditionsfachgeschäft schließt

In meiner Familie war Einkaufen ein notwendiges Übel. Eine Ausnahme gab es zu Schulanfang. Da zwängten wir uns in den Fiat Ritmo und fuhren in die Stadt. Ins Parkhaus! Die Schranke hob sich. Wir zogen die Köpfe ein. Meine Mutter klammerte sich tapfer ans Lenkrad und kurvte schneckenförmig aufwärts. „Kinder merkt’s euch das Stockwerk, sonst finden wir das Auto nie wieder.“ Ängstlich prägten wir uns die Zahl ein. Im Lift stritten wir uns, wer den Knopf drücken darf. Das Buch- und Papierfachgeschäft Lingenhöle hatte 230 Quadratmeter auf zwei Etagen. Geduldig wartete meine Mutter auf eine Verkäuferin. Dann legte sie los. Zum Schulanfang nur das Beste. Manchmal mussten wir sie bremsen. „Aber Mama, wir haben noch Lineale zuhause.“ Während sie überlegte, wie viele karierte und wie viele linierte Hefte sie kaufen sollte, schlich ich mich zum Drehständer mit den Kinderbüchern. Ich schlug die letzte Seite zum Lachen auf: „Ein Skelett kommt in die Bar. Was wünschen Sie?, fragt der Ober. Ein Bier und einen Aufwischlappen.“ Meine Mutter nickte mir lächelnd zu. Das Buch kostete 47 Schilling 10. Sooo viel! Ich hatte die beste Mutter der Welt. Im Auto begann ich zu lesen. Zuhause schrieb ich auf die erste Seite: Dieses Schneider-Buch gehört Irmi Geschenkt von Mama. Heutzutage kommt das Lachen ein wenig zu kurz. Die Buchhandlung Lingenhöle musste schließen. Die Verkaufsräume sind leer. Ich vermute, bald werden E-Bikes drinnen stehen.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 09/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

Die Einhornfalle

Einhörner sind in. Einhörner sind das ganz große Geschäft. Sitzt man mit Kinderbuchverlagsleuten in einem Taxi, geht es gern um Einhörner. Sternenschweif und Silberwind. Glamourös, glitzernd, magisch, mysteriös. Mit Schweif, Schwanz, Horn und dem ganzen Klimbim.

Ich schreibe sicher kein Buch über Einhörner. Weil mit Einhörnern gewinnt man keinen Literaturpreis. Das ist fix. Literarisch gesehen geht man mit Einhörnern für den Rest seiner Karriere baden.

Ich könnte es allerdings wie die Känguruchroniken anlegen. Ein rechts radikales Einhorn könnte sich im Schlafzimmer von Marine Le Pen einnisten, mit ihr kuscheln und sie trösten.

Ich könnte mich auch an Theo Nicole Lorenz orientieren. Sein Ausmalbuch heißt: „Einhörner sind Arschlöcher: Schockierende Wahrheiten zu Ausmalen.“ Ziemlich prächtig finde ich auch: „Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn! 100 nicht ganz legale Erziehungstricks“ von Johannes Hayers. „Meine kleine Einhorn-Farm“ (mit Regenbogengarantie) hingegen ist wirklich Schrott. Dieses Standardwerk zur erfolgreichen Aufzucht von Einhörnern verspricht Erfolg im Business und die Erfüllung magischer Träume. Also echt.

Und dann fiel mir in einem Buchladen in Gmunden ein verstaubtes Exemplar „Der taubenblaue Drache“ von Kurt Vonnegut, übersetzt von Harry Rowohlt, in die Hände. Und als ich auf Seite 120 „Die Einhornfalle“ las, wusste ich, dass man auch über Einhörner ganz große Literatur schreiben kann.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 06/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

Ich fühle mich wie ein Oldtimer, dem der Benzin ausgeht. Mit den letzten Tropfen schnaufe ich ins Ziel und steige erschöpft, aber glücklich aus. Ich halte inne und erinnere mich. Wenn ihr mir bitte folgen wollt …

In der Volksschule Langenegg habe ich einen wunderschönen Schulgarten entdeckt.

Der Garten hat mich inspiriert.

Und ich habe Salat in Blumenkästen angebaut. Der wächst so enorm, dass ich mir bald wie eine Ziege vorkomme.

Auf meinen Lesereisen habe ich viel entdeckt. Zum Beispiel eine berühmte Quelle.

In Donaueschingen ist es auch sonst überaus schön.

Und solche Gebäude würde ich am liebsten schrumpfen, in die Hosentasche stecken, mitnehmen und vor mir auf den Schreibtisch stellen.

Na also. Schrumpfen. Geht doch.

Und natürlich gibt es wieder so eine für mich typische Chaotengeschichte. Kaum aus dem Schwarzwald zurück, sollte ich in Ulm lesen. Ulm? Kein Problem. Da setz ich mich morgens ins Auto, fahr eineinhalb Stunden, lese eine Runde und bin zum Mittagessen wieder heim. Dachte ich. Als ich die Adresse der Schule eingebe, zeigt mir das GPS eine Fahrtzeit von dreieinhalb Stunden an.

Hätte mir vielleicht irgendwer sagen können, dass es in der Nähe von Straßburg noch ein Ulm gibt? (1950 Einwohner, viel Obst, viele Baustellen und eine Wohlfühl-Schule) Ich also wieder zurück in den Schwarzwald. Leute, bei euch ist es echt schön und die Kinder waren super aufmerksam. Trotzdem war es eine brutale Fahrerei und ich hätte den Job nicht angenommen, wenn ich gewusst hätte, wie viele Kilometer ich fahren muss. Danach habe ich mich sperrig und zerbrechlich gefühlt. Ungefähr so:

Und davon habe ich geträumt:

Das Allerbeste habe ich in Salzburg im Literaturhaus erlebt. Die vierte Klasse der Volksschule Maxglan 2 führte das Theaterstück Sunny Valentine „Von Zirkuskanonen und elefantösen Notfällen“ auf. Ich war gerührt und beseelt. Was für ein Aufwand. Wie großartig! Vielen Dank Bettina Neumann, Katharina Peel, den Kindern der 4b und dem engagierten Peter Fuschlberger vom Literaturhaus.

In Wien im Theatermuseum wurde der Hauptpreis der Leserstimmen vergeben. Gewonnen hat ihn Rachel von Kooij. Mit dem Buch „Beim Kopf des Weißen Huhns“. Ich war stolz darauf dabei sein zu dürfen.

Wieder einmal hat mich der barocke Wahnsinn in den Bann gezogen. Von Kopf …

… bis Fuß. (Bitte! Seht ihr diesen Parkettboden? Was für Einlegearbeiten! Mein Tischlerinnentochterherz schlägt höher. An den Schuhen hätte man noch arbeiten können. Ich glaube, ich habe doch Plattfüße)

Die Blasengel links unten, studieren die Börsenkurse oder lösen sie ein Kreuzworträtsel?

Und weil ich gerade in Wien war, habe ich die allerletzte Chance zur Recherche genützt – das Lektorat für meinen neuen Jugendroman ist so gut wie abgeschlossen. Ich kann es kaum erwarten. Graffiti und Malerei werden eine große Rolle spielen. Davon aber mehr, wenn der Roman im nächsten Frühjahr erscheint.

Und nicht vergessen, Leute: Chillt eure Base!

 

 

 

 

Lest uns mehr vor!

Wie man erwachsene Leserinnen bekommt

Im Bregenzerwald hat eine Bibliothek eröffnet. Nicht, dass ihr glaubt, wir leben hier im literarischen Hinterwald. Im Gegenteil. In 71 von 93 Vorarlberger Gemeinden gibt es eine öffentliche Bibliothek. Und in einer sollten George Nussbaumer und ich, zur Anschaffung neuer Bücher, benefizmäßig musizieren und lesen. Am besten Piratengeschichten. Piraten mag jeder. In der Volksschule übten sie das Lied „Alle Kinder lernen lesen“. Der Saal wurde geschmückt, ein Keyboard, ein Lesepult und eine Leinwand auf die Bühne gestellt, damit wir die grandiosen Illustrationen von Zapf zeigen konnten. Die Lesung war am Sonntagmorgen, danach sollte es Schnitzel oder Schweinsbraten geben. Als sich die Türen öffneten, kamen Väter, Mütter, Kinder. Sie behielten ihre Jacken an und machten keine Anstalten, sich setzen zu wollen. Die VolksschülerInnen sangen ihr Lied. Und alle zogen ab: Väter, Mütter, Kinder. Sie hätten ein paar Euro zahlen müssen. Für die Bücherei im Dorf. Übrig blieben zwangsbeglückte PolitikerInnen und ein paar Freunde. Nach der Lesung kam ein älterer Herr auf mich zu. Den Tränen nahe. Es war die erste Kinderbuchlesung seines Lebens. Er habe nie ein Kinderbuch bekommen und zum ersten Mal habe ihm jemand vorgelesen. „Lest uns mehr vor“, verlangten Kinder in einer Vorlesestudie des ZEIT Verlags . Wer sich nicht um die Kinder kümmert, wird keine erwachsenen LeserInnen bekommen.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 05/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

„In Afrika ist es für die Deutschen in die Hosen gegangen“, notierte Astrid Lindgren am 8. November 1942. Als der Krieg ausbrach, begann sie, Tagebuch zu schreiben. Als am 9. November 2016 Donald Trump gewählt wurde, erwachte ich in einem Hotel in Bonn, und der Morgen graute mir. Ich war dort beim Lesefest „Käptn Book“. „Ein schwarzer Tag“, sagte ich beim Frühstück zu Hermann Schulz. 1938 in Afrika geboren, leitete er jahrelang den Peter Hammer Verlag und schreibt selbst Kinderbücher. Am Vorabend hatte er mir erzählt, wie es zum Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte“ gekommen war, wie er Illustrationen auf einer Tabakpackung sah, wissen wollte, wer sie gemacht hatte, und so Wolf Erlbruch kennenlernte. „Darf ich Ihnen noch eine Geschichte erzählen?“, fragte mich Hermann Schulz. Der Kaffee erinnerte ihn an Kaffeehäuser in Wien und an Alfred Hrdlicka, den er wegen eines Marmorblocks kennengelernt hatte. Hrdlicka hatte sein Atelier in der Nähe des Praters. Beim Spaziergang kamen ihnen, Hand in Hand, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker entgegen. Hrdlicka lud alle in ein Kaffeehaus ein. Schulz erzählte noch viel mehr. Ich war so beseelt, dass ich beschloss, Trumps Präsidentschaft ebenfalls in einem Tagebuch festzuhalten. Der erste Eintrag lautet: „Als Donald Trump gewählt wurde, frühstückte ich mit Hermann Schulz.“

(Kolumne Kramers Kinderstube 4 erschienen im Anzeiger 04/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

Da haben wir gerade noch Silvester gefeiert… Ich lade die Fotos der ersten drei Monate des Jahres 2017 von meinem Handy und erinnere mich an meine Mutter, die samstagweise Dias gerahmt und archiviert hat. Einmal jährlich saß die ganze Familie vor der Leinwand, die der Hund zuvor mehrmals umgerissen hatte. Gemeinsam erfreuten wir uns an Erinnerungen. Das hatte noch Stil. Das war ein Gemeinschaftserlebnis. Heute habe ich weder Hund, noch Leinwand, aber eine Homepage und fiktive Menschen, die sich meine Erinnerungen vielleicht mit mir teilen.

 

Im Jänner und im Februar war mein Kalender leer. Ich fuhr Ski und schrieb. Das fand ich sehr famos. Zwischendurch las ich ein paar Bücher. Leider fand ich nichts mehr, seit ich sie nach Farben sortiert hatte. Also räumte ich alles um.

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(Dieses Foto entstand in Paris in einer Ausstellung)

Kramers Kinderstube

Ich habe einmal einen Artikel über die Buchhandlung Shakespeare & Company in Paris gelesen. Da musste ich hin. Sofort. Auf der Reise eine Lektüre: Proust? Victor Hugo? Da würde ich gut dastehen. Literarisch gesehen. Doch in der Buchhandlung am Bahnhof drehte sich in einem Buchständer ein Paris-Roman. Der Titel war mir zwar peinlich, aber vom Umschlag strahlte ein wahnsinnig schöner Franzose (blaue Augen, schwarzes Haar) mit einem Namen so cremig wie die Füllung von Macarons und einer Biographie, dass es raucht: ein Studium an der Sorbonne, Wohnungen in New York und der Toskana. Ich begann zu lesen. Und wusste schon bei der nächsten Station: Das hat kein Mann geschrieben. Die Recherche ergab: Hinter meinem jungen Franzosen steckte eine 58-jährige Verlegerin aus Düsseldorf. Ich habe ja nichts gegen Pseudonyme. Mark Twain hieß auch anders, und erstaunlich viele Kinder wissen, dass unter Erin Hunter sechs Autorinnen Warrior Cats schreiben. Aber manchmal hört sich der Spaß auf. Enid Blyton hat nur sechs Bände Hanni und Nanni geschrieben. Die meisten anderen schrieb Rosemarie Eitzert als Enid Blyton. Ich könnte mich J.K. Rowling nennen, oder Poppy J. Anderson. Den meisten Menschen ist der Name einer Autorin ja völlig wurscht ist, so lange ihnen der Text gefällt, glauben sie. Bei mir jedenfalls hat die hinterhältige Marketingstrategie gegriffen. Zumindest bis zum Kauf. Bei der nächsten Station habe ich das Buch dann in den Müllkübel geworfen.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 03/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

 

Ein Traum von Schloss

Von schönen und kalten Momenten
im Schloss Wolfenbüttel

Haben Sie den Film „Der ganz große Traum“ gesehen? Da geht’s um einen Lehrer, der 1874 den Fußball nach Deutschland gebracht hat. Der Film wurde im Schloss Wolfenbüttel gedreht. Das Schloss ist wirklich schön. Hier finden Literatur-Seminare statt. Ich geh’ gern dorthin. Die Kurse sind billig, das Essen und das Schlafen sind im Preis dabei und man lernt tolle Leute kennen. Einmal hatte ich die Ehre, zu einem Seminar von Burkhard Spinnen zugelassen zu werden – das ist der, der Vorsitzender Juror des Bachmann-Wettlesens war. Ich war wahnsinnig nervös. Aber Burkhard Spinnen ist lustig. Wussten Sie, dass er auch Kinderbücher schreibt? „Müller hoch drei“ und „Belgische Riesen“ habe ich sehr gern gelesen. Das Seminar von Burkhard Spinnen war im Sommer. Seminare im Sommer sind besser. Da ist es kühl im Schloss. Ganz anders im Winter. Beim Seminar „Wie bewerbe ich mich bei einer Agentur“ habe ich mich während einer Rauchpause in einem Hinterhof ausgesperrt. Keinem fiel auf, dass ich nach der Pause nicht wiederkam. Neben dem zugefrorenen Schlossgraben und dem Aschenbecher musste ich schlotternd auf einen Raucher warten (eine Seminareinheit dauert 90 Minuten). Wieder zuhause, schickte ich der Seminarleiterin (einer Agentin) eine Kindergeschichte von mir. Sie nahm mich unter Vertrag und alle Türen öffneten sich. Im Schloss Wolfenbüttel hat sich mein ganz großer Traum erfüllt.

(Kolumne erschienen im Anzeiger 02/2017 Magazin für den Österreichischen Buchhandel)

Ich habe den schönen Auftrag bekommen, monatlich eine Kolumne zu schreiben. Sie erscheint im Anzeiger, dem Fachmagazin für die österreichische Buchbranche. Hier der erste Versuch.

Gangsta Omas

Warum auch Erwachsene nie aufhören sollten, sich für Kinderbücher zu interessieren

Ich war live dabei, als sich der Hotzenplotz die Bratwürste in den Wampen gestopft, als der Dampf den Zwicker der Großmutter beschlagen hat. Ich habe es gerochen, das Sauerkraut und den Schnupftabak. Ich habe sie gehört, die Kaffeemühle, die Unke im Pfuhl und die Dimpfelmoser-Schreie im Spritzenhaus. Mein Herz hat geschlagen, als Hotzenplotz in die Pedale trat und die Großmutter vom Gepäckträger rief: „Herr Dimpfelmoser! Wo fahren wir denn hin?“ Schon dieses Wort. Großmutter. Die pure Verheißung. Meine hieß Oma. Großmütter gab es nur in Kinderbüchern. Oder Omamas. Die saßen meistens in Apfelbäumen. Meine saß in der Küche und las. Heute heißen die Großmütter in Kinderbüchern gern Gangsta Oma. Viele Erwachsene wissen das leider nicht. Als sie nämlich aufgehört haben, Kind zu sein, haben sie auch aufgehört, sich für Kinderbücher zu interessieren. Erst wenn sie eigene Kinder kriegen, stellen sie verzückt fest: Es gibt sie immer noch, die Raupe Nimmersatt, Jim Knopf und die drei Stanisläuse. Dass sie die Gangsta Oma und den britischen Humor von David Williams nie kennenlernen werden, ist schade für David Williams, die Kunst und die Buchbranche. Aber wenn man ein Kind ist, ist einem die Kunst und die Buchbranche herzlich egal. Hauptsache man darf einen Räuber jagen, die Großmutter befreien und auf eine Kiste pinseln: „Vorsicht Gold!“

 

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Ich weiß nicht warum. Aber Schnee macht mich glücklich. Den ganzen Dezember habe ich gewartet. Und dann kam er. In großen Flocken. Weiß und wunderbar. Schneeschaufeln tu ich wirklich gern. Und Rasenmähen. Schnee schmeckt. Gras riecht. Von Schnee bekommt man kalte, von Gras grüne Füße. Und wenn es geschneit hat, dann fährt der 50 Jahre alte Einer-Sessellift neben meiner Haustür. Leider sehr, sehr langsam. Ich fotografiere die Bäume und lese ein Buch. weiterlesen

Da fängt man an Bücher zu schreiben. Die Bücher stehen plötzlich in Regalen. Dann bekommt man Anfragen für Lesungen und freut sich sehr und sagt zu allem JA. Und plötzlich fährt man kreuz und quer in der Weltgeschichte herum, packt nur noch Koffer ein und aus und merkt, dass man droht zu einem Vorlesemonster zu mutieren… Ein ereignisreicher Herbst liegt also hinter mir.

Ich las auf wunderschönen Bühnen …

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In traumhaften Sälen…

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Und in nicht so traumhaften…

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Ich bin zurück aus Braunschweig, habe tolle Kollegen und Kolleginnen kennengelernt und in vielen Schulen gelesen. In der Oswald Berkhan Schule durfte das Lila Monster in der großen Pause bei der Sekretärin mit den Lila Haaren sitzen, während ich eine Führung bekommen habe. Die schönsten Vorhänge gibt es Hinter der Masch – und sehr nette Kinder. In der Grundschule Diesterwegstraße kam Lorenz zu mir.

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Der Heizkörper arbeitet wieder. Mein Kopf auch. Ich bin viel unterwegs, packe den Koffer ein und wieder aus, hatte eine schöne Zeit mit Peter Fuschelberger vom Literaturhaus Salzburg und Schülern im Gymnasium Saalfelden, die aus ihren Texten gelesen haben. Im Tauernbahnmuseum in Schwarzach St. Veit durfte ich wieder in einem Bahnhof lesen. Ich liebe alte Bahnhöfe. Nächsten Sonntag Vormittag bin ich mit der Piratenschiffgäng in Lingenau. George Nussbaumer wird Barti Blu und den anderen wilden Gesellen seine tiefe Stimme leihen. Das wird ein besonderes Vergnügen. Dann fahre ich nach Braunschweig zur Kinder- und Jugendbuchwoche. Da fällt mir ein: In Braunschweig stand ich einmal am Bahnsteig und merkte, dass ich meinen Laptop nicht bei mir hatte. Der ICE fuhr ein und der Schweiß brach aus und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich ließ den Zug – für den ich ein Sparticket hatte – fahren, nahm mir ein Taxi und fuhr zurück nach Wolfenbüttel, wo mein Laptop in einem Chinarestaurant lag. Mit dem Taxi schaffte ich den letzten Zug nach Hause, zu einem horrenden Preis. Also, denkt dran: Immer alles mitnehmen.

Schreibtisch September 2016 besser

90 000 Bücher erscheinen jährlich auf dem deutschsprachigen Markt. In wenigen Tagen werden es 90 003 sein – so ungefähr halt. Wenn ich mir vorstelle, wieviel Arbeit hinter jedem dieser Bücher steckt, wird mir drümlig (eigentlich schade, dass es dieses Wort nur im Dialekt gibt). Ich wünsche euch einen guten Herbstanfang. Vielleicht habt ihr Lust nächsten Sonntag Vormittag, 10.September, in den Bahnhof Andelsbuch zu kommen. Dort lese ich zur Einstimmung auf den Schulanfang aus „Pfeffer, Minze und der Schule“. Illustrationen an der Wand wird’s auch geben, ein lila Monster und meine Neuerscheinungen: „Sunny Valentine – Von Zirkuskanonen und elefantösen Notfällen“ und „Die Piratenschiffgäng“.

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Als ich noch unterrichtet habe, erfand ich ein Schulgespenst, dem die Kinder ihre geheimsten Geheimnisse in Briefen anvertrauten. Als Egidius Flattermann Polterknecht habe ich jeden Nachmittag manchmal 25 Briefe beantwortet. Viele der ehemaligen Kinder sprechen heute noch von Egidius. Viele wünschten sich die Geschichten in einem Buch. Dieses Buch ist vor drei Tagen erschienen. Ich widme es allen Kindern, die Egidius zwischen 1991 und 2010 Briefe geschrieben haben, um ihre Sorgen und Ängste loszuwerden oder aus purem Spaß. Weil Briefeschreiben Spaß macht. Und, ihr glaubt es kaum, auf Papier fast noch mehr. DANKE!

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Queen Viktoria

Verdammte Franzosen. Verdammte Indianer. Verdammte Iren. Verdammter Großonkel. Der dritte George in Folge. Der hatte sich lieber in seinem Seebad vergnügt, anstatt sich um die Kolonisten in Übersee zu kümmern. Die Stimmung dort drüben war ohnehin schon angeheizt, musste er auch noch Extrasteuern einführen.

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Palais 2

Palais 1

Im Frühling bin ich viel gereist. Ich durfte lesen in Palästen und Scheunen, in Buchhandlungen, Gärten und Zügen. Jetzt sitze ich wieder am Schreibtisch und denke mir Sachen aus. Bald erscheint eine neue Geschichte von Sunny und eine neue Geschichte von Pfeffer und ich freue mich auf die 5. Kinderbuchmesse „Buch am Bach“ in Götzis, wo ich nur eine halbe Stunde hinfahren muss, jeden Tag drei Lesungen habe und viele Leute treffe.

Kommt doch vorbei! Lasst uns im Foyer am Stehtisch einen Kaffee trinken und eine Brezel essen. Bisschen plaudern und so.

 

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Ich habe eine Reise nach Eisenstadt gemacht zur Verleihung des österreichischen Kinder und Jugendbuchpreises. Dort wurde „Am Ende der Welt traf ich Noah“ in die Kollektion aufgenommen. Ich habe viele interessante Autorinnen getroffen. Es ist schön, die Menschen hinter den Namen kennenzulernen, die ich schon lange nur von Buchdeckeln kenne.

Jutta Treiber, hier in der ersten Reihe in der Mitte, schreibt nicht nur großartige Geschichten, sie zaubert einem permanent ein Lächeln ins Gesicht, wenn man in ihrer Nähe ist. Ihre Familie betreibt in vierter Generation in Oberpullendorf Das Kino nebenan. Ich würd‘ jede Woche hingehen, wenn ich nicht am anderen Ende des Landes wohnen würde.

Wir haben gut gegessen und getrunken …

Mit Lisa Blaser und Sabine Hildebrandt vom Loewe Verlag war ich im Weingut Sandhofer in Purbach. Wir bekamen eine Führung durch die Weinberge und haben besonders gute Weine kosten dürfen. Einige der Rebstöcke sind zum Glück vom Frost verschont geblieben.

Vom Verlag Luftschacht aus Wien wurden etliche Bücher ausgezeichnet. Trotzdem. Das Verlagsleben ist hart – wie das der Autoren, Illustratoren und Buchhändler. Dabei wäre es so einfach: Jedem sein Grüffelo!

Endlich weiß ich, wer Verena Hochleitner ist – auch eine begnadete Illustratorin. Hier links außen.

Im Taxi zur Lesung in der NMS Mattersburg (in der es viele sehr engagierte Lehrer und Lehrerinnen gibt) habe ich Christa Schmoiger und Renate Habinger (im gestreiften Rock) kennengelernt. Renate hat schon unzählige Preise gewonnen und ihre Illustrationen begleiten mich schon lange durch mein Leben, auch wenn ich nicht gewusst habe, wer dahintersteckt.

Ihre Name ist eng verbunden mit dem Kinderbuchhaus „Schneiderhäusl“. Gemeinsam mit anderen hat sie einen berufsbegleitenden Lehrgang zur Vermittlung von Kinderliteratur ins Leben gerufen. Das ist einzigartig in Österreich. Meldet euch an! Im Juli beginnt’s. Letzte Chance. Diese Logo ist übrigens auch von Renate Habinger.

Poet ohne Gesicht

Und der Blick in seinen Kopf ist ach so leer. Siehe, da weinen die Götter. Wen stell ich mir als nächstes vor die Tür?

Warum plagen wir einer den andern?
 Das Leben zerrinnt,
 und es versammelt uns nur einmal
 wie heute die Zeit.

Friedrich von Schiller. In Memoriam.

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Lesung ChickLit 1

Auf meinen Reisen treffe ich Jens, den Taxifahrer, der sich lieber mit Sechsjährigen eine Lesung anhört, als allein im Taxi zu warten. Ich treffe Gerald, den Schachspieler, der am Vorabend ein Turnier gewinnt und mich in aller Herrgottsfrühe von Kleinschule zu Kleinschule fährt. Ich begegne einem Bankangestellten, der lieber echte Fische fängt. Ich treffe im Zug zwei Sätzesammler, die jeden Morgen die gleiche Strecke fahren und sich mit Goethe, Rilke und Schnitzler die Zeit vertreiben. Einer davon betreibt die Plattform Bookreaders. Ich treffe Illustratorinnen, die herzerweichende Schicksale mit mir teilen. Ich treffe verkühlte Bestseller-Autoren. Ich esse Wildschwein und große Fische. Und immer wieder komme ich in wunderschöne Buchhandlungen. So wie in die Buchhandlung Chicklit in Wien und die Buchhandlung Plautz in Gleisdorf – 2010 bekam sie  bei der Leipziger Buchmesse den ‚Kinderbuchhandlungspreis für die kreativste Buchhandlung in Österreich‘ von der AVJ verliehen – zurecht. Leute, falls ihr in der Nähe seid: GEHT DORT HIN! Es lohnt sich.

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Vor ein paar Tagen habe ich einen Brief vom Bundeskanzleramt bekommen. Da steht drinnen: Liebe Frau Kramer! Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihr Buch „Am Ende der Welt traf ich Noah“ in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2016 aufgenommen wird …

Cover

Am 18. Jänner erscheint mein neues Kinderbuch, in dem es um den Schulanfang geht. In der Sendung „Kultur nach sechs“ auf Radio Vorarlberg wird es einen Beitrag geben. Danke Bettina Barnay.

Monster

Und ein Lila Monster erblickt das Licht der Welt. Es wird mich zu Lesungen begleiten.

Viele schöne Neuigkeiten im jungen Jahr: Habe heute Vormittag das Cover für Sunny Valentine Band 4 bekommen. Nina Dulleck hat sich wieder selbst übertroffen. DANKE! „Von Zirkuskanonen und elefantösen Notfällen“ wird im Sommer erscheinen. Vor einer halben Stunde habe ich die vierte Piratengeschichte einer neuen Serie fertiggeschrieben. Ich hatte viel Spaß mit der „Piratenschiffgäng“ und freue mich auf die Illustrationen vom genialen Zapf. „Am Ende der Welt traf ich Noah“ geht in die zweite Auflage und nächste Woche fahre ich im Schneegestöber nach Berlin zum Winterlesen in den Jurten. Danach beginne ich, einen neuen Roman zu schreiben. Danke allen, die mir dieses große Glück möglich machen.

Dez. 2015

Während der Weihnachtsfeiertage ist der Krieg in aller Härte weitergegangen, die Japaner lassen im Stillen Ozean die Sau raus, Hongkong ist gefallen, Manila ist gefährdet. Auf Näs haben wir wie gewöhnlich Weihnachten gefeiert, mit Essen in Massen und einem prachtvollen Weihnachtswetter, das Heiligabend mit dichtem Schneefall begann, so dass Bäume und Büsche am Ersten Weihnachtstag aussahen wie auf einer Weihnachtskarte. Das stärkste Gefühl vor Weihnachten war hier in Schweden in diesem Jahr heiße innige Dankbarkeit dafür, dass wir das Fest noch feiern können, wie wir es tun.“

Diese Zeilen schrieb Astrid Lindgren am zweiten Weihnachtstag 1941 in ihr Tagebuch, das soeben bei Ullstein erschienen ist unter dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren.“ Vielleicht gut zu wissen,, dass das immer schon so war. In jedem Jahrhundert. In jedem Jahrzehnt. In jedem Jahr. Trotzdem. Von all den Sprüchen, die mir im Advent umgehängt wurden, gefiel mir dieser am besten: „Fürchtet euch nicht“ Das hänge ich mir an die Wand. Das werde ich lesen, während ich schreibe und mich Zweifel überfallen. Es geht weiter…

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Bei Rotwein unter Kronleuchtern vor dem Kamin durfte ich aus „Noah“ lesen. Danke allen Besuchern, besonders aber Marie, Leonie, Valentina und Anna-Lena, sowie Margot Stummvoll-Winder von der Wohnwerkstatt Alte Schmiede. In so einem Ambiente wird jede Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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Er ist wieder vorbei, der Buchmesse-Irrsinn. Ich hatte viele schöne Begegnungen und Gespräche mit Lektorinnen, Illustratoren, Autorinnen, Vertriebsleuten, Bloggern, Bücherliebhabern, Bibliothekarinnen und den Bücherfressern – so sehen sie aus. Die Bücherfresser sind ein Jugendleseclub in München Haidhausen, den Katrin Rüger ins Leben gerufen hat. Verlagsleute sagen von ihr, sie sei eine der engagiertesten Buchhändlerinnen in Deutschland. Ihr Buchpalast am Johannisplatz ist Münchens Königreich für Bücher und Begegnungen. Die Bücherfresser gehören zur Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises 2015/16, ebenso wie die Lese-AG der Bergschule St. Elisabeth. Ich danke euch für euer Interesse und die schönen Fragen.

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Ich bin zurück von meiner Reise zu den Bücherpiraten. In Lübeck steht dieses wunderbare Kinderliteraturhaus. Es ist voll mit schönen Geschichten. Autorinnen und Illustratorinnen treffen sich hier, um zu arbeiten und sich auszutauschen. Kinder und Jugendliche diskutieren über Bücher, begegnen sich und schreiben. Danke, dass ich dabei sein durfte.

Aussicht auf Felsen unter Dach

Ich möchte diesen Sommer in Gläser abfüllen. Jeden Abend draußen sitzen. Wochenlang in kurzen Hosen. Und die Jacke? Keine Ahnung, wo die ist. Ich genieße es, dass mein Kalender im August leer ist. Habe soeben Sunny Valentine Band 4 fertig geschrieben, recherchiere über Piraten und freue mich über viele schöne Rezensionen im Netz. Die könnt ihr hier auf meiner Homepage finden – habe eine neue Seite eingerichtet, auf der es um Noah und Marlene geht. Genießt die heißen Tage. Ich habe das Gefühl, dass dieser Traum von einem Sommer nicht endlos sein wird …

Die Premierenlesung letzten Sonntag war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Trotz brütender Hitze fanden alle den Weg in die Villa, um mit mir das Ende eines langen Weges und damit einen neuen Anfang zu feiern. Ein Gartenfest mit Freunden. Ich danke euch.

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Schillerstraße

In der heißesten Woche am Ende des Schuljahres mit Sechzehnjährigen täglich viele Stunden schreiben?

Als ich am Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe nach Feldkirch fuhr, fand ich diese Idee plötzlich alles andere als verlockend. Jugendliche haben Besseres zu tun, als sich freiwillig die Finger an der Tastatur wund zu tippen, um sich literarisch zu ergießen. Jugendliche hängen sowieso nur im Netz, chatten sinnlos in der Gegend herum, sind mit ihren Handys verwachsen und können keinen geraden deutschen Satz formulieren. Bücher besitzen sie sowieso kein, nicht mal mehr ein Telefonbuch.

Denkste.

Ich kam in Berührung mit einer Gruppe Menschen, die die gleiche unstillbare Leidenschaft haben wie ich – nämlich sich Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben, egal, ob es im Klassenzimmer 38 Grad hat und es nicht möglich ist, ein Fenster zu öffnen, weil draußen mit einem fauchenden Flammenwerfer ein Dach repariert wird, der Rasenmäher knattert und Kinder schreien.

Einige von ihnen haben bereits mehrere Romane geschrieben. Sie entwickeln hochkomplexe Welten, erfinden interessante Figuren und leben ihre Fantasie aus. Sie schreiben über jüdische Sternenjungen, über einen Magier als Vater, über den letzten Menschen auf Erden, über ein Gespräch zwischen Gott und einem Atheisten, über Kämpfe gegen übermächtige Gegner und über eine Psychopathin, die in einer Zuckerfabrik Kinder vergräbt. Sie schreiben auf deutsch und auf englisch. Sie diskutieren über Bücher. Sie kennen ihre Literatur.

Am Donnerstag sitzen zwei Mädchen mit bleichen Gesichtern und etwas ramponiert in der ersten Bank, die Köpfe auf ihre Laptops gelegt für einen Fünf-Minutenschlaf. Sie haben die Nacht durchgemacht, Oberstufen-Halbzeit gefeiert. Ich lege ihnen ans Herz nach Hause zu gehen. Sie bleiben. Sie schreiben. Sie schreiben todmüde bei Höllenlärm und Affenhitze. Sie vergessen die Pause. Sie bleiben wie die anderen einfach da. Freiwillig. Ich brauche ihnen nicht viel zu geben, nur Raum und Zeit, sich dem zu widmen, was sie lieben – das Schreiben.

Seit einiger Zeit leben Syrer bei uns im Dorf. Einer ist Rechtsanwalt. Einer ist Physiker. Einer keine achtzehn Jahre alt. Fünfundzwanzig Polizisten kamen, um einen von ihnen abzuschieben. „Wenn so viele Polizisten anrücken, wird er schon was verbrochen haben“, sagten manche Leute. Glücklicherweise war der Gesuchte zu diesem Zeitpunkt außer Haus. Danach ist es einer kleinen Gruppe aus dem Dorf „Wir sind Asyl“ gemeinsam mit dem Pfarrer gelungen, die Syrer zu schützen. Nach Wochen voller Angst haben sie nun die weiße Karte und dürfen um Asyl ansuchen.

Dann kamen fünf Iraker – ein Bauer, ein Metzger, ein Bäcker, ein Techniker, ein LKW-Fahrer. Gemeinsam mit den Syrern wohnen sie in einem baufälligen Haus nahe der Durchzugsstraße. Sie kennen unsere Buchstaben nicht. Sie können kein Wort deutsch. Einer wollte Kakao kaufen und brachte stattdessen Grillanzünder mit. Sie können nicht verstehen, dass Granatäpfel so teuer sind und fühlen sich wie auf einem fremden Planeten. Ich besuche sie fast jeden Tag und wir kämpfen uns durch den arabisch-deutschen Sprachdschungel. Wir müssen viel lachen und sind in kurzer Zeit Freunde geworden. Ich weiß beim besten Willen nicht, wovor sich so viele Menschen fürchten. Endlich wird mein Dorf bunt. Die Welt kommt zu mir und dafür bin ich dankbar. Vielleicht würden die Gegner von Asylsuchenden anders denken, wenn sie einen Gewehrlauf im Genick spüren und aus Lebensangst fliehen müssen.

Und dann dieses elende Gejammere wegen der Smart-Phones – viele Gegner können es kaum ertragen, dass Flüchtlinge ein Smart-Phone besitzen. Meistens ist es das einzige, was sie bei der Ankunft haben. Was würdet ihr denn auf die Flucht mitnehmen?

Blaue Türe eins

Seit meinem letzten Eintrag habe ich mich ein wenig zurückgezogen. Ich habe geschrieben und mich auf die Suche nach blauen Türen gemacht. Nun ist es Zeit, wieder aufzutauchen und einzutauchen. Ereignisreiche Wochen stehen mir bevor, auf die ich mich freue. Nächste Woche die Buchmesse am Bach. Danach werde ich in Feldkirch eine Woche lang mit Schülern eines Gymnasiums schreiben. Und am fünften Juli die Premierenlesung in der Villa Maund von meinem neuen Jugendroman „Am Ende der Welt traf ich Noah“. Es haben sich schon viele Leute angemeldet und ich hoffe auf schönes Wetter, dann kann ich im Garten lesen und alle haben Platz. Sunny reibt sich auch schon die Hände, um sich ins vierte Abenteuer zu stürzen. Die Arme hat, glaube ich, noch keine Ahnung, was sich das Haus diesmal ausgedacht hat …

 

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Zeit für ein Picknick im Grünen – unterm Apfelbaum liegen, sich das frische Gras um die nackten Zehen wickeln und den Marienkäfern bei der Landung zusehen. Zwei neue Bücher sind in der Druckerei. Sunny Valentine Band 3 erscheint am 22.6, mein Jugendroman „Am Ende der Welt traf ich Noah“ am 27. Juli. Und Sunnys Tropenvögel fliegen in der Auswalliste für den Goldenen Bücherpiraten. Nur noch zwei andere Bücher stehen zur Auswahl. Ich habe zwar noch nie etwas gewonnen (außer einer biegsamen Langspielplatte mit Evergreens von James Last auf der Dornbirner Messe im Jahr 1979), aber wer weiß …

Es freut mich, euch Sunny III ankündigen zu dürfen.

Es erscheint am 22. Juni.

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Vergangenen Samstag war ich im Haus Gutenberg in Liechtenstein zu einem Schreibseminar eingeladen. Was für ein kraftvoller, schöner Ort zwischen Gipfeln und Weinbergen. Danke allen, die daran teilgenommen haben und der Organisatorin des Bildungshauses. Das nächste Seminar gebe ich dort am 5. September.

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Hier noch eine kleine Erinnerung an die Buchmesse in Leipzig. Für die Lesung hab ich ein paar Papierflieger gebastelt. Die sind geflogen wie frisch verheiratete Seeadler.

Globus NationalbibliothekIch bin zurück von der Leipziger Buchmesse. Gestern hatte ich eine schöne Lesung in Lustenau in der Bibliothek. Dreißig Kinder sind gekommen, an einem schulfreien, warmen Frühlingstag. Danke dafür. Heute hatte ich in Lindau ein interessantes Gespräch mit vier Jugendlichen, die sich zusammen getan haben, um gemeinsam ein Buch zu schreiben. Ich wünsche Malte, Noah, Camilla und Antonia viel Glück und noch mehr Durchhaltevermögen. Die Sonnenfinsternis war kühl. Es tut sich viel. Das Cover zu meinem Jugendroman „Am Ende der Welt traf ich Noah“ ist fertig. Die Druckfahnen von Sunny III auch. Ich wünsche euch eine Reise rund um die Welt. Wenigstens im Kopf.

Teppiche

Manchmal finde ich es schön, nicht auf dem Teppich zu bleiben, sondern mit einem davon zu fliegen, mit einem magischen Teppich, der eingewobene Rätsel bereit hält und mich in ferne, heiße Länder bringt, solange vor meinem Fenster der Nebel wabert und Hausdächer immer noch unter der Schneelast ächzen. Bis es anfängt zu schmelzen, reise ich in meiner Fantasie. Der Versuch, einen Roman für Erwachsene zu schreiben, ist fürs erste abgeschlossen. Bin gespannt, was damit passiert. Sunny und ihre Tropenvögel sind in die zweite Auflage gegangen und so wie es aussieht, werde ich in diesem Jahr noch sehr viel damit zu tun haben, aus Wörtern und Sätzen neue Abenteuer zu weben.

Puppenhaus

Ich habe keine Ahnung, wie Fantasie entsteht. Aber ich vermute, dass es etwas mit verspielten Großeltern und Kind gebliebenen Vätern (oder Müttern) zu tun haben könnte, mit Menschen jedenfalls, die Geschichten erzählen, Baumhäuser zusammen nageln, Vorhangspitzen fürs Puppenhaus häkeln und einen spielen lassen ohne zu stören.

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Es freut mich, euch zu Beginn des neuen Jahres Sunnys zweites Abenteuer ankündigen zu dürfen und bin gespannt, wie es euch gefällt. Es erscheint offiziell am 14.Jänner bei Loewe. Das Haus ist eifersüchtig, weil die Kinder jeden Morgen in die Schule gehen und lässt die Lehrerin verschwinden …

Der Blick aus dem Fenster fällt ins neue Jahr. Ich wünsche euch eine ruhige Weihnachtszeit mit Menschen, die ihr mögt und Lesestunden mit Büchern, die euch glücklich machen.

Von Schneemännern und Banjo spielenden Affen

Manche Bilder lösen so viel Sehnsucht und Fantasie in mir aus, dass ich am liebsten darin versinken möchte. Im Augenblick passiert sehr viel. Wir sind dabei einen schönen Titel für den Jugendroman zu finden, der im Juni erscheint. Er ist lektoriert und ich kann ihn trotzdem nicht loslassen, finde immer wieder Wörter, die ich ändern möchte. Der Titel für Sunny III steht fest und soll im Jänner illustriert werden. Ich versuche, einen Roman für Erwachsene zu schreiben, der Anfang ist geschafft, hundert Seiten habe ich, einen ungefähren Plan auch … ob er jemals erscheint? Genießt die Lichter in der Stadt, wenn es um vier Uhr dunkel wird.

Sunny Valentine „Von Tropenvögeln und königlichen Unterhosen“ ist nominiert für den Kinderbuch-Leserpreis 2014 auf Lovelybooks. Danke alle jenen, die Sunny auf diese Liste gebracht haben, gemeinsam mit vielen anderen wunderbaren Büchern. Bis 27.November könnt ihr eure Stimme noch abgeben. Hier ist der Link.

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Heute mit der Post gekommen. Das zweite Abenteuer von Sunny Valentine. Habe erfahren, dass Jodie Ahlborn das Hörbuch bereits gelesen hat und dass der erste Band in Dänemark erscheinen wird. Bin gespannt, wie sie die Tropfenvögel übersetzen. Ich wünsche euch ein feines Wochenende.

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Am Vorabend der Linzer Kinder- und Jugendliteraturtage kam mir dieses Gebäude an der Donau unter. Es strahlte in die Nacht.

Wanderung

Dieser Herbst ist unfassbar kitschig. Und das Wetter beinah unheimlich. Dieses Foto habe ich auf meinem Sonntagsspaziergang am 2. November gemacht.

Buchmesse Frankfurt

Manchmal bekommt man hinterher von Zuhörern ein
Foto geschickt. Danke Helmut.

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Am Samstagnachmittag, während sich auf der Buchmesse die Massen durch die Hallen schoben, lud mich Illustratorin Nina Dulleck ein. Sie gab Sunny Valentine ein Gesicht und las aus ihrem wunderbaren Bilderbuch Die Schluckaufprinzessin. Unter ihrem magischen Bleistiftstrich entstanden vor den Augen der staunenden Zuschauer wundersame Tiere und andere Gestalten. Sie hätte sich keinen schöneren Ort aussuchen können als die neu eröffnete Buchhandlung Herr Holgersson.

IMG_3009Die Frankfurter Buchmesse ist vorbei. Hier am Empfang bei den Loewen mit meiner Lektorin.

Sunny in der Schule

Sunny Valentine geht gern mit mir in die Schule. Das Haus mag das leider gar nicht. Es ist furchtbar eifersüchtig und macht jedes Mal ein riesiges Theater, wenn die Kinder das Haus verlassen.

 

 

 

Mathematiker

Was ist unendlich? Eine Annäherung…

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Hier ein neues grandioses Tafelbild, das nicht vergessen werden soll. Laura ist inzwischen zwanzig Jahre oder älter.  Ob sie sich noch daran erinnert, dieses Bild gemalt zu haben?

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Ich liebe Tafelbilder. Wie lange wird es noch dauern, bis sie endgültig aus den Klassenzimmern verschwinden und nur noch Whiteboards an den Wänden hängen? Ich finde, es wird Zeit, Tafelbilder in die „Welt Weit Weg“ zu schicken, die schon längst gelöscht, aber immerhin noch fotografiert wurden. Falls ihr selber welche in eurer Klasse hängen habt, freue ich mich über ein schönes Foto.

Valerie

Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich heute trotz Regen und Landtagswahlen auf den Weg in den Bahnhof nach Andelsbuch gemacht haben, um Sunnys Geschichte zu lauschen. Manche haben über 30 Kilometer auf sich genommen. Besonders beeindruckt hat mich Milan – er war erst vier Jahre alt und hat eine geschlagene Stunde wie gebannt zugehört und an den richtigen Stellen lauthals gelacht. Danke Milan. Und danke Valerie für das Freundschaftsbändchen. Sunny und ich wünschen euch eine gute Woche.

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Sunny hat mir wieder einen Brief geschrieben. Der Sommer scheint sich                    verabschiedet zu haben. Ich schaue in den Regen. Regen ist schön.

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Vergangenes Wochenende durfte ich auf dem Erlanger Poetenfest lesen. Ein Schlosspark, eine Orangerie, Theater, vier Bühnen, Bratwürste und Geschichten. Ich fand es schön, dass auch ältere Herren und Damen mit lachenden Gesichtern Sunnys Abenteuer gelauscht haben, was bei Lesungen in Klassenzimmern eher nicht passiert. Trotz weißer Haare wirkten sie plötzlich wie Kinder. Abends hörte ich dann Ulla Hahn und Navid Kermani im Markgrafentheater bei den Autorenporträts zu – sehr interessante, kluge Menschen. Es sollte mehr Feste geben, wo neben großer und ernster Literatur auch Kinderbücher Platz haben. So wie in Erlangen.

2. Brief von Sunny Kleiner

Sunny hat mir wieder geschrieben. Ich hab ihren Brief fotografiert. Ist nicht so scharf geworden. Ich hoffe, ihr könnt ihn trotzdem lesen. Wünsche euch einen schönen Sommer.

Immer wieder fragen mich Leute, wie ich auf Ideen komme. Leider komme ich auf gar keine Idee. Mir wären all die Sachen mit Sunny und dem Haus nie eingefallen. Aber ich habe Sunny kennengelernt. Sie schreibt mir seit vielen Jahren Briefe und hat mir erlaubt, ihre Geschichten zu veröffentlichen, allerdings musste ich ihr hoch und heilig versprechen, niemals zu verraten, wo sie wohnt. Denn dann wäre es nämlich aus mit der seligen Ruhe. Stell dir mal vor, es spazieren dauernd Leute mit Fotoapparaten und Handys rund um die Eiche. Sunny schreibt mir viel. Sie hat eine Menge Fantasie. Nur ob ich ihr die Sache mit dem Haus wirklich glauben soll, bin ich mir manchmal nicht ganz sicher.

P.S: Wenn du möchtest, kannst du Sunny auch einen Brief schreiben, klicke einfach auf meinen KONTAKT, dann schicke ich ihn ihr und vielleicht kriegst du Antwort – wenn sie nicht gerade wieder eine Menge Ärger hat.

Es war einmal in einer deutschen Stadt ein Junge. Der sollte etwas Ordentliches lernen – Bäcker oder Banker, zum Beispiel. Aber er dachte nicht daran, er wollte Seiltänzer werden. Also spannte er ein Wäscheseil quer über die Straße. Die Kinder und Nachbarn, die Touristen, die Bäcker und Banker sperrten Mund und Nase auf, als der Junge das Seil betrat und darauf balancierte. Seine Mutter aber war so empört, dass sie das Seil mit der Schnittlauchschere durchschnitt. Glücklicherweise landete der Junge auf dem Dach eines Audi. Der war zwar eingedellt, aber der Junge trug nur ein paar blaue Flecken davon. Am nächsten Tag ließ sich der Junge etwas einfallen. Irgendetwas mit Schuhen. Was war das nochmal? Und wie hieß der Junge? Und wer hat das eigentlich erfunden? Ach egal, schön war die Geschichte jedenfalls. Damals.

So lange hat es gedauert, bis „Noahs Geschichte“ auf dem Schreibtisch bereit zum Lektorat gelandet ist. Sie spielt in dieser alten Villa. Gestern habe ich die Geschichte abgeschickt. Varianten davon gibt es Unzählige. Es erstaunt mich immer wieder, was für einen Weg dieser Roman gegangen ist. Nun muss ich nur noch ein Jahr warten bis sie erscheint und andere in meine Welt eintauchen können.

Wieder einmal konnte ich es nicht erwarten und habe mir auf der Homepage von Jodie Ahlborn eine Hörprobe von Sunny Valentine angehört – wie wundervoll sie liest.  Nächste Woche erscheint das Hörbuch und ich glaube fast, ich werde es mir beim Bügeln vorlesen lassen.Sunny Valentine Hörbuch

Es gibt Orte, die klingen, als gehörten sie in große Geschichten: Kirschtal, Glücksburg und Apfeldorf. In Apfeldorf durfte ich lesen und es war so idyllisch wie es klingt – in der großen Pause Würmer aus der Erde ziehen, Fußballspielen und den Schwalben zusehen, wie sie um die Dächer sirren. Ein Mädchen hat ein neues Cover für Sunny Valentine gebastelt. Danke.

Gestern kam ein Kind mit seiner Mama zu uns in die Bücherei; ich hatte gerade Dienst. Das Kind war auf der Suche nach einem Buch. Wer es geschrieben hatte, wusste sie nicht, auch nicht wie es hieß. „Aber es ist ein Buch mit einer Unterhose.“ Zufällig konnte ich aushelfen.

Nach einer Lesung kam ein Mädchen auf mich zu. Sie war neun und hieß Theresia. Theresia fragte mich, ob sie das Buch gleich kaufen könne, sie könne es nämlich unmöglich erwarten, bis ihre Mama in einen Buchladen komme. Sie fragte, ob sie auch in Münzen bezahlen könne. Dann kramte sie eine dicke kleine Geldtasche hervor und fing an ihr Taschengeld herauszuzählen, bis ein ganzes Häufchen Cent und Eurostücke auf dem Tisch lag. Sie wollte kein Autogramm, aber sie nahm das Buch und umarmte es selig mit beiden Armen, dann kam sie auf mich zu und umarmte mich mindestens genauso fest.

Es freut mich, euch meine Homepage präsentieren zu dürfen. Fast pünktlich zum Erscheinen von „Sunny Valentine – Von Tropenvögeln und königlichen Unterhosen“ haben wir’s geschafft. Danke Eva und Markus.